*
"Pagan Queen" ist ein tschechisch-amerikanischer Film über Libuse, der mythischen Stammmutter der Pøemysliden-Dynastie in Böhmen (historisches Land in Tschechien).
Im frühen Mittelalter des 8.Jahrhunderts nach Christus waren die Ur-Tschechen noch Heiden (was übrigens zu dieser Zeit für ganz Osteuropa, sowie Nordeuropa galt ... anders als der Süden und Westen, welcher schon fast durchchristianisiert war).
Libuse ist - laut der Legende - die drittjüngste Lieblingstochter des Fürsten Krok von Vysehrad ... und eine Seherin! Sie wird von ihrem Volk geliebt und schliesslich zur Königin erwählt. Doch wie in vielen Erzählungen über mächtige Frauen, wollen die adligen Herren unter ihr, ebenjene Macht beschneiden. Sie drängen sie daher zur Heirat, um dem Volk einen König zu geben. Libuses übereilte Wahl beschert dem Stamm einen harten, tyrannischen König, welcher die alte Ordnung (des Natur-verehrenden Matriarchats) zerstört, zu Gunsten einer neuen Herrschaft (des Profit-liebenden Patriarchats).
So die grobe Umschreibung der Handlung.
Natürlich handelt es sich bei "Pagan Queen" nicht um ein realistisches Historiendrama. Der Film erzählt eine Sage nach.
Daher liegt das besondere Augenmerk auf der besagten heidnischen Kultur und ihren Riten. Und auf den mystischen Gaben von Libuse und ihren beiden Schwestern, einer Heilerin und einer Hohepriesterin. In Rückblicken wird dem Mädchen vom Vater sogar erzählt, daß ihre Mutter dem Elfenvolk angehörte. Deshalb ist Libuse auch in der Lage durch Zwiesprache mit den Geistern der Anderswelt die Zukunft vorherzusagen ... oder die Todesfee zu sehen (eine geisterhafte Frau, welche ihr immer dann erscheint, wenn ein Tod in der Familie bevorsteht).
Soviel zur Mystik.
Die Schauplätze des Filmes sind wunderbar, dank der urwüchsigen Naturlandschaften.
Auch die Kulissen, Kostüme und Ausstattung sind überzeugend authentisch.
Man sollte dabei wissen, daß die Leute (einschliesslich des Adels) im frühen Mittelalter in Holzpfostenbauten lebten und riesige Steinburgen erst später in Mode kamen.
Das Budget des Filmes ist nicht sehr groß. Daher gibt es hier keinerlei Massenszenen. Die vorhandenen Menschen"massen", die man sieht, sind in einer Zwei-Schulklassen-Grösse.
Es gibt nicht allzu viele Kämpfe im Film. Und diese sind eher lahm (im Vergleich was man in Historienepen sonst so zu sehen kriegt). Das liegt u.a. am Mangel an schnellen Schnitten zur Fokussierung der Dynamik ... und andererseits daran, daß die Kämpfe sehr realistisch ausfallen (ein Schwert ist eben ein schweres Stück Metall mit dem man nicht leichtfüssig durch die Gegend tänzeln kann wie mit einem Degen ... und ausserdem gibt's hier auch Kriegerinnen).
Mit den wenigen brutalen Szenen wird dennoch nicht zimperlich umgegangen, sodaß man schon mal miterleben darf, wie Einem das Auge ausgestochen wird oder das Herz durchbohrt.
Was ich nicht so gut fand, war das oft nicht wirklich nachvollziehbare Verhalten der Charaktere. Besonders bei dem häufigen Wechsel der Liebesgefühle. Die Handlung umfasst in etwa einen Zeitraum von 3 Jahren. Mir kommt es so vor, als hätte man da eine beträchtliche Menge an Filmmaterial einfach weggeschnitten. Ein Epos dieser Art dauert in der Regel an die zwei-einhalb Stunden und nicht anderthalb. So kann man ja die Charaktere nicht richtig kennenlernen (so weiß ich z.B. immer noch nicht, ob die Befehlshaberin der Kriegerinnen nun lesbische Neigungen hat oder einfach bloss völlig devot gegenüber ihrer Könign ist).
Die deutsche Synchronisation ist leider - wie so oft - recht lieblos geworden. Man kann sie aber hören. Oder man wählt den englischen Originalton mit deutschen Untertiteln.
Als Extra gibt es einen Kommentar, welcher aber untertitellos in tschechisch und englisch gesprochen ist. Ansonsten gibt's nur Trailer zu verschiedenen Fimen (u.a. historischen). Auch einen zu "Pagan Queen", obwohl dieser so aussieht, als ob er von einer uralten VHS stammen würde. ><
Alles in Allem vergebe ich dem Film eine durchschnittliche Bewertung.
FAZIT:
Wer schon den Film (!)
Die Nebel von Avalon mochte, für den ist "Pagan Queen" sicherlich zu empfehlen. Wer keine mystischen Historienfilme mag ... tja, der sollte eben davon die Finger lassen.
PS: Das Cover finde ich übrigens sehr schön anzuschauen. ^^
< Dämonen bewachen das Berginnere. Der Mensch sollte sich nicht mit ihnen anlegen. Die Schätze der Erde sind endlich. Wer versucht, sie an sich zu reissen, derjenige setzt sich dem unbändigen Zorn der Natur aus.>
Warnung der Hohepriesterin Libuse