Dieses Album ist eine wahre Bereicherung! Die eigentlich als Oper komponierten und für die klassische Gitarre bearbeiteten Stücke werden hier wunderbar interpretiert. Dabei sollte man sich aber keine Illusionen machen, denn dies hier ist alles andere als eine klassische CD! Jeder klassiche Gitarrist, der sich den Regeln seines Instruments verschrieben fühlt, wird hiermit keine Freude haben. Denn Paco de Lucia spielt diese Stücke in seinem unverwechselbaren Flamencostil, beeinflusst von Rumba, Samba, bisweilen Jazz. Seine Arrangements entfernen sich sehr von den ursprünglichen Bearbeitungen und verwandeln de Fallas Kompositionen in Bandkompatible Stücke. Dies treibt exotische, aber interessante Früchte, wie Percussion, den Einsatz von Schlagzeug, E-Bass, ja, im "Tanz des Müllers" sogar einen punktierten Beat. Doch egal was de Lucia tut, er tut es mit der ihm eigenen unverkennbaren Musikalität und seinem Gespür für stimmige Arrangements. Unnötig zu erwähnen, dass seine Maßstäbe setzende Spieltechnik, sowie sein über Jahre entwickelter Ton auch diesem Album ihren Stempel aufdrücken und die Atmosphäre bestimmen.
Die "Paco de Lucia plays Manuel de Falla" ist nicht de Lucias erster Ausflug in klassische Gefilde und erneut provoziert er die Klassikergmeinde mit seinem gewagten Spiel und dem Brechen mit Konventionen. Doch wer Musik vorurteilsfrei genießen kann, der wird hier seinen Spaß haben. Auch de Falla, dessen Kompostionen vor Anspielungen auf die spanische Gitarre und den Flamenco nur so strotzen, hätte zumindest ernstes Interesse an diesem Werk gehabt.