Mit unglaublicher Akribie und Liebe zum Detail hat J. Niven in diesem Buch den zähen Überlebenskampf der Expeditionsteilnehmer der Karluk zusammengetragen. Es ist ein schwieriges Thema, das sie literarisch aufarbeitet. Die Expedition war geprägt von einem extremen Mangel an Kameradschaft, die Handlungsweise des Leiters Vilhjalmur Stefansson blieb bis zu dessen Tod 1962 umstritten.
Das Buch leidet darunter, dass sich die Autorin bei ihren Charakterstudien auf die subjektive Wahrnehmung der Teilnehmer stützen muss, deren Aufzeichnungen überliefert sind. Eine Gratwanderung, die dem Leser nicht entgeht und bei der er sicherlich nicht immer zum gleichen Ergebnis gekommen wäre. Frau Niven drängt dem Leser ihre oft subjektive Einschätzung der Ereignisse, die sie aus dem Studium der verfügbaren Quellen gewonnen zu haben meint, an vielen Stellen regelrecht auf, bleibt in ihrer Schilderung dabei nicht durchgehend konsistent. Mit Unverständnis begegnet man bereits der äußerst negativen Schilderung der Karluk vor dem eigentlichen Reiseantritt in arktische Gewässer. Sollten sich die Reiseteilnehmer bereits zu diesem frühen Zeitpunkt über den katastrophalen Zustand ihres Schiffes bewusst gewesen sein und an der Vertrauenswürdigkeit ihres Expeditionsleiters gezweifelt haben, wieso haben sie dann nicht auf die Teilnahme verzichtet?
Nervend ist die Form der wörtlichen Rede, wenn J. Niven Inuit sprechen lässt. Dies geschieht ausschließlich in grammatikalisch falschen Sätzen. Dabei kannten auch etliche wissenschaftliche Expeditionsteilnehmer Englisch nicht als Muttersprache. Gesprochene Sätze a là Indianer in den Büchern Karl Mays, das liest sich nicht gut.
Dem Erstlingswerk einer ehemaligen Journalistin mag man dennoch diese kleiner Fehler verzeihen. Das Buch büßt in keiner Weise an Dramatik ein und bleibt ein hochgradig bewegendes, schockierendes und eindringliches Zeitdokument.