PACKED! ist längst nicht so schlecht, wie es seinerzeit die dürftigen Verkaufszahlen schließen ließen. Es mag bisweilen etwas oberflächlich und nicht immer ganz aufrichtig sein, was Chrissie Hynde in ihren Texten so erzählt. Sie selbst nahm ihre Songs freilich von der lockeren Seite: "Einfach elf blöde Popsongs!" Und selbst wenn PACKED! mit seinen Midtempo-Rockern "nur" solider Durchschnitt ist: Heute wie vor 20 Jahren zieht kaum jemand im Rock-/Pop-Fach so gekonnt sämtliche Register wie Hynde, vom folkigen Pop ("Never Do That", "Sense Of Purpose") über handfestem Rock ("Downtown Akron") bis zum Reggae ("How Do I Miss You"). Nicht schlecht für ein Album, für das Hynde erstmals praktisch allein verantwortlich zeichnete, unterstützt von einer 13-köpfigen Gruppe von Sessionmusikern, darunter ex-Rockpile-Gitarrist Billy Bremner, der schon 1982/83 vor und während der Sessions zu LEARNING TO CRAWL ausgeholfen hatte.
Negativ betrachtet bedeutete PACKED! künstlerischen Stillstand, positiv betrachtet aber steht PACKED! für Konsolidierung auf hohem Niveau. Freilich wirkte Chrissie Hyndes Elder-Statesmen-Attitüde - "ich muss der Welt nichts mehr beweisen" - nur 10 Jahre nach Erscheinen des Debütalbums wohl arg verfrüht. Wer zufrieden mit sich selbst ist, macht keine gute Rockmusik - so ein nicht ganz falsches branchenübliches Vorurteil. Manchmal kommt Hyndes bisweilen rebellische Attitüde ziemlich klischeehaft und unaufrichtig zum Vorschein, wie in "Criminal" ("you made me some kind of criminal, you put me out-law because i loved you"). Gut ist an PACKED! jedenfalls, dass es nach dem missglückten GET CLOSE wieder auf einen transparenten und sparsamen Gitarrensound setzte. Und es findet sich sogar manche Perle unter den Songs, wie die Anti-Tierquälerei-Tirade "Hold A Candle To This", das rabiate "Downtown (Akron)", das Hendrix-Cover "May This Be Love" und das schwärmerische "When Will I See You", einzige Gemeinschaftskomposition, deren Credits sich Hynde teilt (mit dem ex-Smiths-Gitarristen Johnny Marr).
Fazit: PACKED! ist beileibe kein Meisterwerk, doch nicht das schlechteste Pretenders-Album. Beim zweiten Hören entkräftet sich dieses Vorurteil mit etwas gutem Willen. Den Vergleich mit den späteren, auch nicht makellosen VIVA EL AMOR oder LOOSE SCREW muss es nicht scheuen.