Ich bin etwas enttäuscht über diese Miniserie, nach dem Ausgangspunkt "Schütze Ryan" über die "BoB", die ich schon etwas flacher und in zehn Teilen ein wenig langatmig fand, vermag "The Pacific" noch weniger zu überzeugen.
Das mag auch daran liegen, dass im Gegensatz zu BoB keine bestimmte Einheit auf ihrem Weg begleitet wird, sondern einfach verschiedene Marines herausgegriffen werden, die jeder einen eigenen Handlungsstrang haben und sich nicht kennen lernen. Diese Zerfahrenheit erschwert es ganz wesentlich, in die Serie zu finden, da man leicht irritiert sich immer erst einmal orientieren muss, wer, wann und wie dran ist. Obwohl die Handlung im Zeitablauf große Lücken hat, kommt trotzdem kaum Spannung oder gar Mitgefühl für die einzelnen Personen auf.
Einen gewissen Wiedererkennungswert erhalten nur drei Rollen : Gunnie John Basilone(John Seda), PFC Robert Leckie (James Badge), dessen Buch eine der Grundlagen der Serie ist, und Spec. Eugene B. Sledge (Joseph Mazzello). Dazu kommen jede Menge Gesichter, die man irgendwann, irgendwo schon mal gesehen hat, aber alle blass oder gar unsympathisch bleiben. Der Einzige, der mich wirklich berührt hat, war der Gunnie Basilone, der auf Guadalkanal zum Helden avanciert und mit der "Medal Of Honor" ausgezeichnet wird, dafür als "Belohnung" durch die USA tingeln darf, um Kriegsanleihen zu verkaufen und somit zum "Popstar" wird. Als er dann innerlich gelangweilt wieder zum Chor zurückkehrt, fällt er auf Iwo Jima; ich hab mich am Ende dieser Folge wirklich darüber geärgert, dass dieser Mann verheizt wurde.
Die Stärken der Serie liegen wirklich darin, dass erkennbar wird, dass die Marines nur als Kanonenfutter verheizt werden. Auf Guadalkanal noch mit WK I(!) Ausrüstung gegen eine siegesgewohnte japanische Armee verlustreich erfolgreich, folgt das sogenannte Inselhopping. Dabei wird ersichtlich, dass nur die Waffen besser werden, die sonstige Ausrüstung der Soldaten und die Logistik sind unter aller Kanone, geschweige denn die taktische Führung. So gibt es z.B. tagelang kein frisches Wasser für die Marines. In den drei Folgen über Peleliu wird einem jeder Nerv gezogen; da wird einem militärische Unfähigkeit vorgeführt, wenn statt in einer Zangenbewegung das Flughafengebäude zu nehmen, die Marines als Zielscheiben über das Flugfeld stürmen müssen, viel Arbeit für die Special Effects Abteilung. Dazu wird immer deutlicher der moralische Verfall in der Truppe gezeigt; werden erst nur die Militaria der Japaner für ein späteres Versilbern gestohlen, gibts später ungehemmte Leichenschändung, wenn den Toten die Goldzähne herausgebrochen werden.
Und genau da liegen die Schwächen; während Clint Eastwood in Flags Of Our Fathers und Letters From Iwo Jima die Versöhnung sucht und die Japaner als Menschen und würdige Gegner zeigt, sind diese in der Serie echte Schweine, wie die Nazis in den 60ger Jahre Filmen; völlig gesichtslose skrupellose Killer. Einfach nur "Japsen" zum Abschlachten. Kurzfristige Zweifel von Sledge auf Okinawa werden einfach hinweggefegt.
Letztlich wird sogar eine grosse Chance vertan; aus der Notwendigkeit, dass man weder finanziell noch menschlich vor der amerikanischen Bevölkerung eine Fortsetzung des Krieges und die enormen Verlustraten der Marines rechtfertigen konnte, die eine konventionelle Eroberung der japanischen Hauptinseln gefordert hätten, wurden die Atombomben geworfen. In der Serie tauchen diese nur kurz als die "Superbomben" auf.
Letztendlich wird den Marines sogar die Anerkennung verwehrt; durch die langen Aufräumungsarbeiten wird ihre Heimkehr fast schon lästig, keine Helden, wie die Army als Nazibezwinger. Die psychischen Traumata, die die Soldaten mitbrachten, wurden unter den Tisch gekehrt, anders ist die Missachtung in den folgenden Kriegen in Korea und Vietnam wohl kaum zu erklären.
Da man aber, wie oben erklärt, emotionell kaum eingebunden wird, hinterlässt all das keinen bleibenden Eindruck beim Zuschauer.