Kurzbeschreibung
Sein allgegenwärtiger Kanon hätte Johann Pachelbel (1653-1706) heutzutage sicherlich zum mehrfachen Millionär gemacht. Dabei ist seine Kammermusik eher ein Randbereich seines musikalischen Schaffens. Als angesehener Organist in Erfurt, Stuttgart und schließlich in seiner Vaterstadt Nürnberg standen vielmehr Orgelwerke im Zentrum seines Wirkens. Mit ungefähr siebzig erhaltenen Vokalwerken gehört Pachelbel, ähnlich wie sein Zeitgenosse Dieterich Buxtehude, allerdings zu den Organisten des 17. Jahrhunderts, die zusätzlich auch ein bedeutendes geistliches Vokalwerk hinterlassen haben. Hier umfasst sein uvre sowohl Motetten, Psalmen, (Choral-)Kantaten als auch Musik zur lutherischen Vesper. Kurioserweise haben sich zahlreiche seiner Kompositionen in der Tenbury Collection der Universität Oxford erhalten. Ursache hierfür ist die Auswanderung von Pachelbels zweitem Sohn Carl Theodor (1690-1750) um 1730 über England in die Neue Welt. Bei seiner Abreise nach Amerika ließ er ein ganzes Bündel mit Abschriften der Werke seines Vaters zurück, die schließlich den Weg in die Tenbury Collection fanden. The King s Singers und Charivari Agréable unter der Leitung von Kah-Ming Ng haben sich des musikalischen Schatzes angenommen und eine Auswahl mit Musik Pachelbels zur lutherischen Vesper eingespielt. Pachelbels Vespermusik stellt zweifellos einen Höhepunkt dieses Genres am Ende des 17. Jahrhunderts dar und besticht durch die kontemplative Innigkeit der nur mit Streichern und verstärkendem Fagott besetzten Stücke. Die beiden Ensembles schließen mit ihrer Aufnahme auf SIGNUM CLASSICS eine fast schon peinliche diskographische Lücke. Warum musste man eigentlich so lange auf eine Einspielung dieser wunderbaren Musik warten?