Auch bei einem, von seiner Arbeit besessenen Künstler, gehen einem nach 10 posthumen Alben und Doppelalben irgendwann die Songs aus. Was macht man also? Es einfach gut sein lassen mit den posthumen Alben? Vielleicht noch aus den letzten Resten der Tupacschen Archieven die besten und noch nicht zum zehnten Mal geremixten Lyrics raussuchen, zu einem schönen Best Of, bei dem man auch den eingefleischten Tupac- Fans mal zur abwechslung nicht die Tränen der Verzweiflung, sondern der Rührung in die Augen treibt? Nein. Da kann man doch noch mehr rausprügeln! Einfach ein paar ausgelutschte Lyrics ein bisschen ummodeln, dem Beat anpassen, und massenhaft "angesagte" Künstler mit reinpacken. Auch wenn es ja ganz rührend, und teilweise auch überraschend gut gemacht ist, wie sich die jungen Künstler an Pac versuchen, finde ich es trotzdem schade, dass so gewaltsam versucht wird, Tupac in das Jahr 2006/ 2007 zu beamen. Tupac ist vor 10 Jahren gestorben. Logisch, das die Qualität bzw. die Art und Weise der Musik sich meilenweit von der heutigen unterscheidet. Doch dass ist es doch, was den Reiz ausmacht! Das Gefühl noch einmal in die 90er zu reisen, in der Zeit, als sich der Hip-Hop grade erst anfing im Musikgeschäft zu etablieren, als die Musik noch als Kunst, als Lebensform und nicht als Geldmaschine gesehen wurde. Auch wenn dieses Album im meinen Augen einer musikalischen Vergewaltigung Tupacs gleichkommt, habe ich mich dennoch mit einigen Tracks anfreunden können. Zunächst einmal wäre da natürlich "Soon as I get home", das zum Glück in seiner ursprünglichen Form gelassen wurde, und dem Album ein Stück Tupac einhaucht. An dieser Stelle danke ich Afeni bzw Amaru für diese Entscheidung. "Dumpin'" sowie die beiden "Playa Cardz Right" Versionen (wobei mir die "Female Version" besser gefällt) oder auch "Sleep" sind durchaus hörbar. "Pac's Life" dagegen (beide Versionen),"International", oder auch der "Untouchable" Swizz Beatz Remix sind für mich die absoluten Schandflecke dieser CD. Die anderen Songs dümpeln im Mittelfeld dahin. Selbst wenn man dieses Album als Tribute- Album sieht, ist es für mich das schlechteste posthume Tupac- Album. Es bleibt zu hoffen, dass das nächste, bereits angekündigte und angeblich letzte posthume "(Doppel-)Album" sich wieder ein bisschen ,mehr auf Qualität als auf Modernität stützt, damit Tupac endlich aufhören kann, in seinem nicht vorhandenen Grab zu rotieren. Allen die Tupac wollen, kann ich nur raten, kauft euch ein echtes, originales Tupac- Album. Für alle die Tupac kennenlernen wollen gilt das erst recht. Alle Sammler, die wie ich rein aus Prinzip (und eventueller Verblödung ^^ ) jedes neu erschienene Tupac- Album kaufen... da kommt man wohl nicht drum rum. Wer allerdings auf Hip-Hop ala T.I. (der sich zumindest redlich bemüht), oder G-Unit steht, kann sich dieses Album ruhig kaufen. Am Ende entscheidet ja sowieso der persönliche Musikgeschmack, wie man an den unterschiedlichen Bewertungen des Albums sehen kann. Als Hintergrundmusik, ist dieses Album wenigstens ganz gut geeignet. Nach tiefsinnigen Lyrics, wie man sie von Tupac sonst gewohnt ist, sucht man hier leider grösstenteils vergeblich.
Wegen "Soon as I Get Home" und den anderen oben genannten "anhörbaren" Songs und den, auch wenn etwas schief gegangenen Bemühungen der Features und des Labels, gebe ich dem Album 2 Sterne. Und weil es Tupac ist, und ich es einfach nicht über Herz bringe, einem Pac- Album nur 2 mikrige Sternchen zu geben, und weil ein Teil der Erlöse der Tupac Amaru Foundation zugunsten kommen, gebe ich noch einen Stern dazu. Allerdings musste ich dabei alle (Hühner-) Augen zudrücken!