England 1760. Die junge Witwe Anna Wren lebt zusammen mit ihrer ebenfalls verwitweten Schwiegermutter in schmerzhaft reduzierten finanziellen Umständen. Da trifft es sich gut, dass der Herr der Gegend, Edward de Raaf, der Earl of Swartingham, gerade einen neuen Sekretär sucht. Kurzentschlossen überredet Anna seinen Verwalter, ihr die Stellung zu überlassen, obwohl sie eine Frau ist. Der durch Pockennarben entstellte Edward erweist sich als launenhafter, aber auch sehr charismatischer Dienstherr. Als Anna herausfindet, dass Edward bei einer Reise nach London einen Besuch in einem exklusiven Bordell plant, fasst sie einen verwegenen Plan: Maskiert und getarnt als Luxuskurtisane will sie wenigstens eine Nacht der Lust mit ihm verbringen ...
Von der deutlich an Charlotte Brontës "Jane Eyre" angelehnten ersten Szene an ist klar, dass sich dieser Roman an Frauen richtet, die (zumindest ab und zu) einen Mr. Rochester einem Mr. Darcy vorziehen. Dass die Autorin, als sie mit dem Schreiben anfing, nach eigener Aussage nicht wusste, wie ein Liebesromanheld auszusehen und sich zu verhalten hat, gereicht dem Buch in keinem Fall zum Nachteil. Im Gegenteil: "The Raven Prince" gefällt genau dadurch, dass er sich nicht an alle eingebürgerten Vorgaben hält. Die Autorin weiß ihren vielleicht nicht attraktiven, aber sehr männlichen Helden gut in Szene zu setzen. Die Heldin ist sympathisch und entschlossen, ohne jemals in unnötig komplizierte Zickigkeit zu verfallen. Zusammen mit den, zumindest für einen Roman, der nicht explizit als erotischer Historical beworben wird, ausgesprochen heißen Sexszenen bietet Elizabeth Hoyts Erstling Frauen, die dunklere Geschichten mögen, so bestes Lesevergnügen. (BL)