Gerade aufgrund der Bewertung mit "nur" 3 Sternen möchte ich als allererstes betonen, dass ich meinen C-200 liebe und nimmer mehr hergeben möchte. Warum also nur eine durchschnittliche Beurteilung für das Flaggschiff der Firma Syabas, dem Begründer der berühmten Popcorn Hour - Serie?
Syabas wollte mit dem C-200 ausscheren aus der inzwischen stark gewordenen Konkurrenz bei Festplatten- und Netzwerkplayern. Das Konzept: Man entwerfe einen starken lautlosen Multimediaplayer mit maximaler Formatunterstützung und umfangreichen Netzwerkfunktionen, der individuell an die Bedürfnisse unterschiedlicher Kunden angepasst werden kann. Man packe diesen in ein edles Gehäuse im HiFi-Format, füge alle denkbaren Anschlussmöglichkeiten sowie ein starkes Display hinzu, welches auch die Steuerung ohne laufendes Fernsehgerät ermöglicht. Man runde das Paket mit vielen individuellen Extras wie einer beleuchteten Funkfernbedienung und der Möglichkeit Blue-Ray-Discs abzuspielen ab. Als Sahnehäubchen verwende man zum großen Teil PC-Komponenten, die leicht getauscht, angepasst oder gemodded werden können - und das ohne Verlust der Garantie. Klingt wie das ideale Verkaufsrezept, oder? Was also ist schief gegangen? Wie so oft steckt der Teufel im Detail.
Tatsächlich ist der C-200 mit dem SMP8643, dem neusten Modell der Sigma-Prozessorschmiede ausgestattet. Dieser bietet maximale Formatunterstützung bei hoher Rechenleistung, und ist der derzeit beste Chip auf dem Markt. Daher gilt: Trotz aller Meckerei spielt der C-200 nahezu alle existierenden Audio und Videoformate ab (Hat aber Probleme mit Mitschnitten von einfachen Camcordern und Festplattenrekordern). Für die Wiedergabe bietet er viele ausgefeilte zusätzliche Funktionen, nur als Beispiel sei hier das zeitliche Verschieben schlecht mit dem Video synchronisierter Untertitel genannt.
Der SMP8643-Prozessor des C-200 thront auf einem kompakten Mainboard, welches 5 USB-Ports (2x Front, 2x Rückseite, 1x intern), 2 SATA Ports, einen Mini-PCI-Steckplatz, Gigabit-LAN und zwei Anschlüsse für Gehäuse bzw. Chipsatzlüfter zur Verfügung stellt. Für den Anschluss an Fernseher und Anlage stehen natürlich HDMI, Digital-Audio (Optisch + Coax) und diverse analoge Anschlüsse bereit. Die Front stellt einen 3,5 Zoll Festplattenwechselschacht zur Verfügung, der inzwischen auch Hot-Plug and Play fähig ist. Leider wurde als Festplattenwechselschacht ein recht billiges Modell verbaut, welches nicht entkoppelt arbeitet. Folge: Zwar rauschen im C-200 keine Lüfter, die Festplatte ist aber deutlich zu vernehmen und bringt durch Vibrationen teilweise das komplette Gehäuse in Schwingung. Ich empfehle den Einsatz von einer langsameren "Öko" - Festplatte mit maximal 5400 Umdrehungen pro Minute.
Den HDD-Einschub kann selbst der unerfahrene Bastler leicht gegen ein beliebiges anderes SATA-Gerät im 5,25 Zoll-Format austauschen und so z.B ein Blue-Ray Laufwerk einbauen - ohne Verlust der Garantie. Allerdings gilt es hier Kompatibilitätslisten zu beachten. Zusätzlich lässt sich eine Notebookfestplatte (bis 12.5mm Bauhöhe) einsetzen - die gibt es inzwischen in Größen bis zu 1000GB.
Der Betrieb eines externen DVD-Laufwerkes funktioniert soweit auch tadellos, mit einer Einschränkung: Es können nur selbst erstellte DVDs abgespielt werden; kopiergeschützte Titel lehnt der C-200 von externen Laufwerken ab. Das soll mal einer verstehen...
Geschlampt wurde gerade bei der Qualität der SATA Kabel. Diese verursachten bei mir häufig Hänger und Abstürze des Players (vor allem beim Kopieren großer Datenmengen oder beim booten). Eines der beiden Kabel lässt sich leicht tauschen, das andere jedoch hängt, gekoppelt mit dem SATA-Stromanschluss, direkt am Netzteil. Da muss man den Strom für das Laufwerk zusätzlich noch per Y-Kabel abgreifen - umständlich. Auch nach dem Austausch der Kabel kommt es, wenn auch wesentlich seltener, immer noch zu Abstürzen, die anscheinend auf Probleme des Dateisystems (sowohl NTFS als auch EXT3) bei Dateinamen mit Sonderzeichen wie z.B. Klammern zurückzuführen sind. Gerade bei Audiofiles sehr häufig anzutreffen! Hoffentlich wird da noch nachgebessert.
Die Firmware des C-200 ist, wie wohl auch in der Vergangenheit bei älteren Syabas Playern, eine ständige Baustelle. Darum ist bisher auch nur ein englischsprachiges Handbuch vorhanden, welches Sie als Kunde auch noch im Internet suchen müssen. Zumindest sind (nach einem Firmwareupdate) inzwischen fast alle versprochenen Funktionen freigeschaltet, auch die Stabilität hat sich wesentlich verbessert. Die Menü - Optik soll wohl(und sollte auch!) noch mal komplett überarbeitet werden. Entsprechende Videodemonstrationen kann man bei Youtube bereits heute bewundern. Wer nicht so lange warten will, dem bieten diverse Fan-Projekte beeindruckende optische Präsentationen der eigenen Film- und Audioarchive. Die Steuerung des Players geht zügig und logisch vonstatten, zu betonen sind auch die vielen Internetfunktionen (z.B. Internetradio und Videodienste; Youtube vorerst nur in der "Lite" - Version). Ein Browser fehl, kommt aber vielleicht noch per Update.
Die Fernbedienung arbeitet per Funk (Infrarot-Empfänger kann für die Verwendung von Universal-Fernbedienungen für wenig Geld nachgerüstet werden) und ist beleuchtet. Die Tasten haben einen knackigen Druckpunkt, so knackig, dass Ihr Bettnachbar auch dann nicht schlafen können wird, wenn Sie Kopfhörer verwenden. Das Layout ist gelungen, jedoch etwas gewöhnungsbedürftig.
Das Display in der Front ist zwar riesig und hell, leider wurde aber eines dieser billigen Teile mit blauer Hintergrundbeleuchtung verbaut. Von der Couch aus unmöglich ablesbar. Wenigstens lässt es sich dimmen oder auch ausschalten.
Das Design des Players ist gelungen, will aber optisch noch immer nicht so richtig ins HiFi-Rack passen. Leider hat es Syabas schwarz lackiert. Das sieht zwar gut aus, zieht aber Fingerabdrücke magisch an. Und wenn Sie ein Blue-Ray Laufwerk einbauen, sticht dieses im typischen PC - schwarz optisch aus der Front heraus. Praktisch ist es, dass man das Gehäuse mit dem Lösen von nur einer Schraube öffnen kann. Wie bereits erwähnt ist der C-200 ein Traum für Modder, dank Standardkomponenten und großzügigem Innenraum lässt sich viel basteln. Hier herrscht hohes Suchtpotential, ohne Witz, hat man erst mal begonnen an seinem Player rumzubauen, kann man nur schwer wieder damit aufhören.
Vorläufiges Fazit: Der C-200 hat hardwareseitig ein starkes Potenzial, welches inzwischen auch nach und nach durch Firmwareupdates erschlossen wird. Für den Bastler oder den Syabas-Veteranen (auch dank der starken Community) ist der C-200 ohne Übertreibung ein Traumplayer. Für den normalen Nutzer aber, der sich mit den technischen Details nicht auseinandersetzen will, ist das Gerät in der jetzigen Revision nicht empfehlenswert. Damit meine ich vor allem die miesen SATA-Kabel und die Mängel an der Dateiverwaltung; beide Probleme haben schon einigen Kunden Kopfschmerzen bereitet (siehe Syabas-Forum). Viele Funktionen des C-200 erschließen sich nicht ohne Handbuch (z.B. das Herunterfahren des Players, welches den Standby-Stromverbrauch von 10 auf 0,3 Watt senkt). So sollte sich jeder gut überlegen, ob er zu den "Early Adopters" dieses Players zählen möchte, die sich doch teilweise ein wenig als Betatester fühlen. Für derzeit 330 Euronen sollte man ein ausgereifteres Produkt erwarten können. Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass zumindest ich meinen Poppy nicht mehr hergeben möchte... Er läuft bei mir fast jeden Abend, bereitet mir viel Freude - und das mit jeder neuen Firmware noch ein wenig mehr.
Nachtrag: Hier noch ein paar Ergänzungen zum heutigen Stand des Players. Inzwischen ist der Nachfolger verfügbar, der jedoch 100 Euro mehr kostet und kaum Mehrleistung bringt (Farbdisplay, schnellerer Prozessor, aufgehübschtes Userinterface).
Die Softwarefehler des C-200 sind inzwischen so gut wie alle beseitigt. Es gibt bei mir keine Instabilitäten mehr, auch Musik wird ohne Abstürze gespielt. Manchmal verstellt sich die Lautstärke am Player, ich empfehle die Einstellung "-1", dann passiert das nicht; die Lautstärke sollte man eh über Anlage / Fernseher steuern. Es wurde von Syabas angedeutet, dass die Benutzeroberfläche des C-300 auch auf dem Vorgänger nachgerüstet wird... Das wird aber noch mindestens ein halbes Jahr dauern, schließlich ist das Interface eines der Hauptargumente zum Aufrüsten. Ich persönlich benutze den Player auch heute noch viel. ESATA habe ich nach draußen gelegt um kopiergeschützte Disks über ein externes Blueraylaufwerk aubspielen zu können... Wie gesagt, Basteln macht Spaß am C-200. Die Konkurrenz hat aber aufgeholt, ein Neukauf heute lohnt sich wohl nur in wenigen Fällen.