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Der vorliegende Reader versammelt in chronologischer Folge essayistische, journalistische und erzählende Texte ausschließlich deutschsprachiger Provinienz seit 1964. Warum 1964? Fragen wir Warhol: Everything went young in `64. Stimmt! Pop war zwar schon länger da, nun jedoch ging es in den Underground, es wurde schrill, politisch, psychedelisch. Von allen Seiten flossen Kunstrinnsale zu einem großen Strom zusammen. Form triumphierte über Inhalt. Die Dosensuppe als Stil-Ikone. Einzig die deutsche Literatur lahmte, rang um Worte und Fassung in diesen Umbruchzeiten. Zaghaft tauchte der Begriff Pop-Literatur zum ersten Mal bei Rolf Dieter Brinkmann, Peter Handke und Hubert Fichte auf, der hier mit seinem Kultwerk Die Palette auszugsweise vertreten ist.
Drei historische Blöcke - die Sechziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre umklammernd, -- gewähren Einblick ins Frühwerk von Jörg Fauser, H. C. Artmann, Elfriede Jelinek, Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen. Folgt die Enkelgeneration mit Namen wie Moritz von Uslar, Joachim Lottmann, Benjamin von Stuckrad-Barre, Sibylle Berg, Alexa Hennig von Lange und -- last but not least, -- Christian Kracht, der mit Faserland dem Begriff des Popromans neues Leben einhauchte, und bis zu dessen endgültiger Grablegung die bundesrepublikanische Geschmacksdebatte hoheitlich dominierte. Dürfen oder sollen wir überhaupt auf ein Weiterleben dieses merkwürdigen Pflänzchens namens Poproman hoffen, das auf solch elende Weise zugrunde ging? Der Verlag Kiepenheuer & Witsch, den schon immer eine innige Verbindung zu dem Genre auszeichnete, hat jedenfalls schon mal ein schönes Denkmal meißeln lassen. - Ravi Unger
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