"Marchesi versteht es wie kaum ein Anderer, Inhalte - voll gespickt mit Grafiken und Fotos - so zu vermitteln, dass ihnen auch der Laie folgen kann." - An diesem Anspruch, zu finden im Buchrückentext, muss sich das Buch messen lassen.
Über 112 Seiten wird der Leser in 6 Kapiteln durch die Kameratechnik geführt:
- Kameratechnologie: Hier werden sowohl Basiswissen als auch technische Grundlagen vermittelt.
- Schärfe und Scharfeinstellung: Hier wird das Thema Scharfstellen behandelt - in technischer Hinsicht. Für die optischen Grundlagen muss man auf Band 2 zurückgreifen.
- Belichtung und Belichtungsmessung: (Technische) Grundlagen der Belichtungsmessung
- Lichtquellen in der Fotografie: Hier werden die Eigenschaften der Lichtquellen, von der Sonne bis zur Glühbirne, in Hinblick auf die Photographie dargestellt.
- Beleuchtungstechnik: Ein sehr ausführliches Kapitel, in dem man an professionelle Ausleuchtung herangeführt wird. Dabei werden sowohl die technischen als auch die optischen Aspekte ausreichend gewürdigt.
- Aufnahmetechniken: Hier werden Tips zu verschiedenen Aufnahmesituationen gegeben, den Abschluss bietet ein Exkurs in Photoshop zur Retusche bei Portraits.
Meine Eindrücke:
- Die Transferleistung empfand ich als sehr inhomogen: Einerseits werden mitunter Selbstverständlichkeiten breit ausgewalzt, andererseits werden komplexe Themen in einen kurzen Absatz gequetscht.
- Die Beispielfotos hätten meines Erachtens durchaus größer gehalten können - zumindest tue ich mich mitunter etwas schwer damit, auf Aufnahmen in der Größe eines Passfotos wesentliche Details auszumachen.
- Warum zwei Seiten für das Einlegen eines Films, aber nur eine Seite für Sensor und Bildprozessor verwendet werden, erschließt sich mir im Zeitalter der Digitalphotographie nicht.
- Immer wieder stößt man auf kleinere Widersprüche. Beispielsweise wird eine Beleuchtungsreihenfolge vorgestellt, die zwingend einzuhalten ist - um im nächsten Absatz ein Musterbeispiel zu bringen, in dem genau diese Reihenfolge nicht eingehalten wurde.
- Oft findet man Informationen relativ isoliert vor, nur knapp eingeführt. Ohne Kontext und ausführlichere Erklärung ist der Stoff dann nicht immer verständlich, mehrfach musste ich nebenher im Internet recherchieren - obwohl ich mir das Buch eigentlich als Offline-Lektüre geleistet hatte.
Fazit: Das Buch bietet dem ambitionerten Photographen, zu diesen zähle ich mich, manchen Aha-Effekt, manche bislang noch fehlende technische Grundlage und einige gute Ideen. Leider ist das Buch didaktisch wenig gelungen, zum Selbststudium daher nur bedingt empfehlenswert.