Die Wetterstation verrichtet seit dem letzten November recht zuverlässig bei mir ihren Dienst. Zunächst sei darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um ein Produkt aus chinesischer Fertigung handelt, das irgendwo in Fernost vom Band fällt und unter verschiedenen Bezeichnungen gehandelt wird (z.B. WH 1080). Nun aber zur Station:
Zunächst - die Software: Easy Weather habe ich nur zur Inbetriebnahme der Station benutzt - das Ganze wirkt doch sehr wie eine Spielzeugsoftware, insgesamt wenig durchdacht und graphisch wenig ansprechend. Ersetzt wurde die Software durch die Freeware "Cumulus", diese macht einen weitaus professionelleren Eindruck und bietet deutlich mehr Möglichkeiten bezüglich graphischer Darstellung und Auswertemöglichkeiten.
Windrichtung und -geschwindigkeit: Entgegen anders lautender Meinungen messen die Sensoren die Windgeschwindigkeit sowie die Windrichtung überraschend exakt! Man sollte die Messeinheit allerdings so einrichten, dass sie keinerlei Turbulenzen ausgesetzt ist, denn die Windfahne reagiert extrem empfindlich. Während der Testphase im Garten (auf 2m Höhe, umgeben von Bäumen und Hecken) "wehte der Wind" aus allen nur erdenklichen Richtungen, und auch das Anemometer zeigte deutlich zu geringe Windgeschwindigkeiten. Mittlerweile messen die Sensoren in 8m Höhe an einem Mast ohne Hindernisse im weiteren Umfeld: Die Windrichtung ist stabil und liefert fast exakt vergleichbare Werte wie eine unweit gelegene (< 1km Luftlinie, und 8fach so teure) Davis-Station, deren Daten im Internet abrufbar sind und zum Vergleich herangezogen wurden. Selbes gilt für die Wind- und Böengeschwindigkeiten.
Der Regenmesser: Die Auffangfläche könnte größer und insbesondere tiefer sein, da insbesondere bei Wind und seitlich einfallendem Regen ein gewisser Verlust durch "Splash-Effekte" resultiert. Ich habe den Regenmesser "ausgelitert" und die aufgefangene Regenmenge je Wippenschlag in Cumulus kalibriert - das Ergebis ist 1.06, also bereits von Haus aus recht genau. Die Optimierung der Auffangfläche lässt sich beispielsweise mittels Aufsetzen (etwas Bastelarbeit erforderlich) eines 200mm^2 Labortrichters optimieren - dann muss selbstverständlich ein neuer Kalibrationsfaktor ermittelt werden. Ein kleiner Nachteil des Niederschlagmessers ergibt sich aus dem Fehlen einer Heizung, sodass bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt folglich keine Messung erfolgen kann. So etwas ist allerdings ein Feature von mehrfach so teuren Stationen, im Fall des Falles lässt sich eine Heizung aber auch im Eigenbau realisieren.
Thermo-/ Hygrometer und Luftdruck: Dies ist DIE Schwachstelle der Station. Zunächst ergab sich eine Differenz im Luftdruck zur unweit gelegenen Davis-Station von 6hPa(!). Dies lässt sich aber in der Basis-Staion bzw. in Cumulus korrigieren. Nach dieser Anpassung zeigt die Station immer exakte Luftdruck-Werte. Die Luftfeuchte war anfangs stets zu niedrig - kein Wunder, ist der Sensor doch in der geschlossenen Sendeeinheit untergebracht. Mit einem 1mm-Bohrer wurden 10 Löcher in den Rückdeckel des Gehäuses gebohrt, seither sind die Anweichungen zur Davis-Station minimal (1-2% relative Luftfeuchte) und entsprechen exakt den Werten eines Haarhygrometers. Die Isolation des Thermosensors ist unzureichend, bei direkter Sonneneinstrahlung zeigt die Station etwa 2-4°C (je nach Jahreszeit und Sonnenstand) zu hohe Werte. Abhilfe schafft hier eine aktive Belüftung des Strahlungsschutzgehäuses mittles eines solarbetriebenen Ventilators, bzw. gleich die Konstruktion eines besseren Strahlungsschutzes (beispielsweise aus weißen Blumentopfuntersetzern, Bauanleitungen im Netz unter Strahlungsschutz Eigenbau!). Alternativ kann man die Sendeeinheit mit Thermo-/Hygrosensor an einem schattigen Platz anbringen (zur Versorgung der Solarzelle braucht es keine direkte Sonneneinstrahlung) - sollte das Kabel zu kurz sein: Es handelt sich hierbei um ein simples Telefonkabel mit RJ11-Stecker ;o).
Die mitgelieferten Akkus tun nach wie vor zuverlässig ihren Dienst, auch die Batterien der Basisstation mussten bisher nicht gewechselt werden. Bis auf gelegentliche und kurzzeitige Empfangsprobleme sendet der Transmitter zuverlässig über 50m und zwei Hauswände hinweg seine Daten an die Basisstation.
Fazit: Man bekommt mit dieser Station kein Produkt, das von vornherein zuverlässige Daten liefert. Mit ein wenig Zeitaufwand und Geschick kann man hieraus aber durchaus ein funktionierendes System zur Wetterdatenerfassung machen. Man hat dann zwar trotzdem keine DWD- oder Meteomedia-Staion - von mir gibt es trotzdem 4 Sterne ;o).