...bei diesem bleibt jedoch zuviel Stückwerk übrig.
Wer hat nicht noch Cassetten mit den ersten (Ton-)Aufnahmen seiner Kinder irgendwo im Schrank stehen (sei es Gesang oder die ersten Sprechversuche, gerne auch "Versprecher", die immer wieder zu Tänen rührten), Musikaufnahmen mit der eigenen Band, vielleicht sogar die erste eigene Schallplatte aus einer Miniauflage (weil es außer einem selbst niemand hören wollte). Viele Aufnahmen dieser Art fristen ein Schattendasein in irgendwelchen Schränken, Kellern oder Dachgeschossen und wären - wenn vielleicht auch die Abspielgeräte nicht mehr da sind oder funktionieren - noch "zu retten".
Für all diese könnte dieses Buch eine Anregung sein, mal zu kramen, was da noch so an alten Aufnahmen vorhanden ist - vielleicht würde sich die eine oder andere Rettung ja lohnen.
Der Bucheinstieg in die alten Techniken von Tonbändern, Kassetten, Schellack- und Langspielplatten und Co. ist - soweit man nicht sowieso damit vertraut ist - interessant und gelungen. Auch weil hier auf viele der technischen Unzulänglichkeiten eingegangen wird und warum es oft interessant ist diese alten "Schätze" in das digitale Zeitalter herüberzuretten: Sie werden damit nicht nur dauerhaft gesichert und auf modernen Abspielgeräten verfügbar gemacht, sondern könnten auch einer Restauration unterzogen werden, welche die Qualität des zu Aussetzern und Rauschen neigenden Tonmaterials erheblich verbessern.
Wie die Digitalisierung und Instandsetzung mit der Hilfe von PC-Technik und Software vor sich gehen kann und welche Hilfsmittel sich dafür eignen, wird ebenso beschrieben, wie die Funktion alter Tonträgertechniken sowie deren Eigenheiten und Fehlerquellen. Somit ist erst einmal die Grundlage gegeben, welche den interessieren "Restaurateur" in die Lage versetzt auf die bestehenden Probleme einzugehen und bereits bei der Überspielung auf eine Festplatte auf die Eigenheiten zu achten um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Zur Bereinigung/Verbesserung der Überspielung(en) werden im Anschluß zahlreiche Programme und Analysetools beschrieben, mit deren Hilfe sowohl spezielle Fehler wie Knistern ("Declicking"), Rauschen ("Denoising"), überspitzte "S-"Laute ("DeEsser") oder gar Übersteuerungen ("Declipping") bereinigt werden sollen. Auch die (subjektive) Verbesserung des Höreindrucks mit der Umwandlung von Mono- zu Stereo wird hier erläutert. Zum Schluss wird auch noch die Frage nach einemangemessenen Datenspeicher für die Archivierung des restaurierten und aufbereiteten Materials erläutert.
Es ist klar, dass es kein "Allheilmittel" und den Königsweg für die Audiorestauration gibt. Für Laien sicherlich thematisch äußerst interessant, könnte dieses Buch manch einen ambitionierten "Restaurierer" jedoch auch schnell überfordern, zumal, wenn er nur schnell zu Ergebnissen kommen möchte.
Die Unübersichtlichkeit an Screenshots von verschiedenen Softwareversionen macht dann auch die Entscheidung schwer: welches Programm für welche Problemstellung? Welches PlugIn? Welches Analysetool? Es gibt so viele von allen und weniger wäre deshalb mehr gewesen ohne bei der Beschreibung der verschiedenen Programme welche auslassen zu müssen. Viele Softwareversionen waren auch 2009 nicht mehr aktuell oder nur noch sehr schwer zu finden - wenn überhaupt (das Buch ist von 2009). CoolEdit (Syntrillium) wurde beispielsweise bereits 2003 von Adobe gekauft und nennt sich seitdem "Audition".
Für den Einsteiger ein gutes Fundament, allerdings muss man sich sein "Rüstzeug" (Software & Tools) selber relativ hart erarbeiten und Softwaretechnisch "sortieren". Für alte Hasen (im besten Sinne) gibt es nur wenig Neues zu entdecken.