Ich fliege schon seit längerer Zeit des öfteren den
Flight Simulator X - Gold und hatte bislang den
SPEED-LINK Black Widow Flightstick im Einsatz, der bei mir allerdings mit der Zeit nicht mehr kalibrierbar war und generell kein feinfühliges Fliegen erlaubte (m.E.). Meine Rezension stützt sich also auf meine Erfahrungen mit diesen beiden Produkten am PC (Windows 7 64 bit). Andere Simulatoren oder Flight Sticks habe ich noch nicht ausprobiert.
Äußerer Eindruck:
Das Gehäuse ist aus Voll-Plastik gefertigt, wirkt aber sehr hochwertig und stabil. Alle Elemente liegen angenehm in der Hand, lediglich der Platz für die rechte Hand am Stick könnte etwas großzügiger oder vielleicht sogar verstellbar sein; ich habe aber auch große Hände... Garnicht erwartet hätte ich, dass der Schubhebel wirklich sehr groß ist (2/3 der Höhe des Sticks und deutlich breiter als die Handfläche), aber das ist ja sehr positiv, weil die Hand dadurch bequem aufliegt. Der Stick und der Schubhebel können entweder aneinander montiert werden (stabile Inbus-Schraubenverbindung) oder einzeln auf den Tisch gestellt werden, wodurch man seine Arme gemütlich auf den Armlehnen liegen lassen oder spreizen kann und trotzdem gut an die Elemente kommt. Wenn einzeln aufgestellt, rutschen sie aber natürlich leichter hin und her. Außerdem wird das Verbindungskabel durch einen an der Unterseite liegenden Kabelkanal geführt. Leider rutscht es aus diesem hin und wieder heraus, sodass der Stick auf dem Kabel und somit schief steht. Wenn man den Stick oft bewegt, kann das nervig sein, man kann aber leicht mit etwas Klebeband Abhilfe schaffen. Zusammengebaut ist die Stabilität aber sehr gut und das Kabelproblem besteht dann auch nicht. Saugnäpfe wären vielleicht noch besser gewesen, aber eigentlich kommt es sehr selten zum versehentlichen Verrutschen, da die Basis auch recht schwer und solide ist.
Den Widerstand des Sticks kann man mit einem Knopf an der Unterseite härter oder weicher schrauben, wobei es da min-/max-Werte gibt. Extrem starr bekommt man ihn also nicht, es sollte aber für die Standardanwendungen passen. So eine Widerstands-Anpassung würde ich mir eigentlich gerne für den Schubhebel wünschen: Wenn man den Schub eigentlich konstant halten will, aber viel am Seitenruder hin und her macht, kann der Schubhebel schon mal verrutschen. Aber wenn man das mega exakt betreiben will, würde sich vielleicht eh die Investition in Rudder-Pedale lohnen...
Funktionalität:
Es sind 5 Achsen vorhanden: rechts/links, vorne/hinten sowie Drehen des Sticks, und am Schubhebel vorne/hinten sowie der Kippschalter (z.B. für das Seitenruder beim Fliegen). In einigen Rezensionen wird der große Totbereich um die Mittelstellung am Stick kritisiert. Für mich persönlich ist er in Ordnung, da es so beim Bewegen nur einer Achse nicht zufällig zum "Auslösen" der anderen Achse kommen kann, aber man muss zugeben, dass er nicht gerade klein ist. Ist aber Gewöhnungssache denke ich. Außerdem ist die Reaktionskurve nicht linear, sondern macht einen Sprung zu den Seiten hin, wo die Achsen dann auf einmal sehr stark reagieren. Ich find das eher positiv als negativ, weil man somit sehr gut Feinabstimmungen der Fluglage ausführen kann - und für Extremsituationen dann halt zum Vollausschlag geht.
Der Stick verfügt außerdem für diese Preisklasse über sehr viele Tasten:
- 4 + Headswitch am Stick
- 6 am Schubhebel (4 auf der Vorderseite - mit Daumen bedienbar, 2 auf der Rückseite - Zeigefinger)
- 3 in der Gehäusemitte
- 2 an der rechten Seite des Gehäuses
- 1 PS3/PC-Switch an der Rückseite
Im Gegensatz zum
SPEED-LINK Black Widow Flightstick finde ich sehr praktisch, dass am Schubhebel so viele Buttons angebracht sind, weil man so die Hand kaum mehr von diesem runternehmen muss bzw. Schubkontrolle + Buttons drücken gleichzeitig möglich ist.
Die Buttons am Stick und Hebel sowie zwei in der Gehäusemitte können in der entsprechenden Software frei belegt werden, es existieren also 12 frei belegbare Tasten + Headswitch. Die anderen Tasten sind dazu da, zwischen den verschiedenen Mappings hin- und herzuschalten bzw. bei der Playstation fungiert einer als Home-Button. Unter "Mapping" ist allerdings nicht zu erwarten, dass man alle Tasten doppelt belegen kann, sondern dass man Knöpfe untereinander "vertauscht" oder auch die Richtungen von Achsen umkehrt oder eine Achse vom Schubhebel auf den Stick verlegt oder umgekehrt. Zwischen diesen 2 Mappings (es gibt die Vorprogrammierung und ein User-Mapping) kann man aber beliebig, auch während die Software läuft, hin und her wechseln.
Ein Beispiel: Man kann die Headswitch-Tasten (zum Herumblicken) auf die Achsen des Joysticks mappen und dann, wenn grad kein Steuern nötig ist, sich im Raum umgucken, indem man einfach den Stick bewegt. Danach wieder den Preset-Button drücken und man kann mit den Joystick-Achsen wieder Längs- und Querneigung des Fliegers bestimmen.
Hareware/Software:
Der Stick wird per USB angeschlossen und war bei mir (Windows 7 64 bit, Flight Simulator X) innerhalb von 10 Sekunden ohne zusätzliche manuelle Treiberinstallation einsatzbereit. Für den FSX sind die Tasten schon standardmäßig konfiguriert, können und sollten aber natürlich nach eigenem Gusto angepasst werden.
Fazit:
Für diesen Preis bekommt man einen wirklich soliden Stick, der gutes Handling und ansprechende Ergonomie und Design vereint. Im Vergleich zum Black Widow ist er um Klassen besser, die paar Euro mehr würde ich also jederzeit wieder investieren!
Vermutlich können die um ein Vielfaches teureren Sticks von Saitek, CH Products etc. noch mit einigem mehr auftrumpfen (kann ich schlicht nicht beurteilen), aber für diesen Preis und für meinen Einsatzzweck als ambitionierter Flugsimulator-Fan ist er perfekt!