Während iPod & Co. die Rezeption der Musik im großen Stil revolutioniert haben, blieb da aus meiner Sicht lange ein sehr schwaches Glied in der Kette: der Schallwandler, in diesem Fall "Kopfhörer" genannt. Was der iPod-Hersteller da unter dieser Bezeichnung mitliefert, ist aus meiner Sicht weder der Rede noch einer Erwähnung in einem Atemzug mit den gelungenen Medienplayern würdig. Viele Dritthersteller sind auf den Zug gesprungen und liefern mal mehr, mal weniger gelungene Kopf-, Bügel- und Ohrhörer an.
Vielleicht liegt das am Alter, vielleicht an der Art der Musik, die ich höre - jedenfalls konnte ich persönlich bislang in der Sparte nichts finden, was meinen Hörgewohnheiten - und Komfortansprüchen - weit genug entgegenkäme. Wer Ohrörer-inkompatible Ohren hat (mir fallen die Dinger jedenfalls immer wieder raus) und andererseits keine Lust an überbetonten Bässen und künstlich verstärkten Höhen (um die fehlenden Mitten zu kaschieren?) verspürt, steht irgendwann ziemlich verloren da. Entweder er verzichtet gänzlich auf mobiles Musikhören oder setzt resigniert den alten guten RP-DJ1200 von Technics auf - nicht klein, mit schwerem Kabel, aber endlich keine Beleidigung der Gehörgänge. Oder er greift zu extrem teuren Profi-Modellen von Shure & Konsorten - die liegen aber preislich oft jenseits der Schmerzgrenze.
Nach dieser langen Einführung fängt an dieser Stelle meine ganz private und noch recht junge Geschichte mit dem P5 der englischen Klassiker-HiFi-Schmiede B&W erst an. Um es vorweg zu nehmen: diesen Hörer werde ich behalten. Das komfortable Feeling (Leder!) sucht seinesgleichen, die Verarbeitung und Ausstattung lässt sich mit Understatement als "vorbildlich" bezeichnen, und das Klangbild erst... Nun, in Sachen HiFi bin ich nicht gerade High-End-verwöhnt, gute Mittelklasse reicht mir - aber ich behaupte mal jetzt, dass dieser Kopfhörer so ziemlich alles (inkl. meiner kleinen Studiomonitore und des AKG-Monitorkopfhörers) in Sachen Klangbild links überholt, so selbstverständlich und mühelos wie ein Jaguar Souvereign einen Golf.
Das Schöne am Klangerlebnis mit dem P5 ist ohne Zweifel die absolut fehlende Ermüdung, die sich mit fast jedem Kopfhörer mit der Zeit - mal früher, mal später - praktisch immer einstellt. Der Klang ist dabei sehr neutral, unaufdringlich, ohne Betonung von irgendwelchen Bässen, Höhen, von was auch immer. So soll es schließlich sein, nicht umsonst haben gute Tontechniker in den Studios die Musik so und nicht anders abgemischt. Das alles vermögen die kleinen "Tröten" plastisch und so elegant zu wiedergeben, dass es eine Freude ist und Lust auf immer mehr macht. Ich kann einfach nicht aufhören, zu hören.
Sicherlich ist der P5 nichts für Leute, die übertrieben basslastige Musik hören und dies betont haben wollen. Alle anderen erfreuen sich des ausgewogenen Klangbildes, so fein wie ein gut sitzender Smoking.
Kurz zur Ausstattung: der erfreulich filigrane (auf Fotos mutet er deutlich größer an), dennoch robust gebaute Kopfhörer kommt in einer (Apple lässt grüßen) wunderbar schlicht-elegant gestalteten Verpackung ("Concert for one"), liegt darin wie ein Schmuckstück in seiner Schatulle. Das Kabel mit simpler Fernbedienung/Mikrofon für die aktuellen iPods/iPhones ist schon dran. Beigefügt ist ein zweites Kabel (ohne Fernbedienung) für ältere iPods und andere Geräte sowie ein Adapter auf die große Klinke. Das Ganze findet in einer Stofftasche auf Manufactum-Niveau in Piqué und mit Magnetverschluss Platz - alleine die Magnete machen mir etwas Sorge, da ich noch einen klassischen iPod mit Festplatte besitze. Ich versuche, beides nicht allzu nahe zueinander zu bringen. Der Hörer besteht in der Tat, wie es die Werbung verspricht, aus Metall und Leder, die wenigen Plastikelemente haben ebenfalls eine passable Anmutung - ein Kopfhörer zum Anzug sozusagen, ohne auf Alltagstauglichkeit zu verzichten.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die ausgezeichnete Schallisolierung: selbst bei voll aufgedrehtem iPod hört man auch in der nächsten Umgebung des aufgesetzten Hörers - nichts. Keine störenden Geräusche, daher gar erste-Klasse-ICE kompatibel. Umgekehrt werden auch die Umgebungsgeräusche vorbildlich gedämpft, das obwohl der Hörer ja kein aktives "Noise Cancelling" bietet. Offensichtlich wurde bei der Konstruktion der aufwändigen, magnetisch fixierten Ear-Pads an alles gedacht.
Der Kopfhörer selbst ist - Globalisierung macht auch hier keinen Bogen - "Made in China", aber "designed in the U.K.", und die Engländer scheinen eine recht strenge Qualitätskontrolle zu betreiben, denn es stimmt wirklich alles, bis ins kleinste Detail, wie von Saville Row :)
Feines Extra, das die Werbung wohl nicht erwähnt (steht im beiliegenden, ansprechend gestalteten und auch ohnehin lesenswerten Heft): nach Registrierung via Internet bekommt der Besitzer drei Monate kostenlosen Zugang zu "Bowers & Wilkins Society of Music" (so eine Art iTunes von B&W) mit zwar recht wenigen, dafür aber absolut audiophilen Musikalben verschiedener Richtungen - ein Blick lohnt sich auf jeden Fall, zumal die ganze Musik in der kostenlosen Zeit tatsächlich zum Nulltarif in bester, verlustfreier Qualität (Apple Losless 16 Bit und entsprechende Codecs für Linux und sogar für Windows) zur Verfügung steht - sofern ich beurteilen konnte, noch nicht einmal kopiergeschützt - man kann alles auf CD brennen und so auch auf "großen" Anlagen in den Genuss kommen. Solche Details machen die Freude noch größer.
Schlussfolgerung? Endlich ein Kopfhörer, den ich nicht mehr hergeben will. Period :)