Aus der Amazon.de-Redaktion
Aber Gerry hat sich einen Trick ausgedacht, mit dem er Holly auch nach seinem Tod noch trösten kann. Denn er hat ihr Briefe hinterlassen, in denen Aufgaben stehen, die seine Frau erfüllen soll. Einfache Dinge sind das zumeist: sich endlich eine neue Nachttischlampe kaufen etwa. Oder Karaoke singen. Und am Ende hat es der tote Gerry geschafft, Holly wieder zum Leben zu erwecken.
Eigentlich hätte man bei der Verfasserin von P.S. Ich liebe Dich skeptisch sein müssen. Denn die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Romans erst 23-jährige Autorin Cecilia Ahern ist die Tochter des irischen Ministerpräsidenten. Allein dies wird ihr die Tore großer Verlagshäuser bereits geöffnet haben. Glücklicherweise aber erfährt man das erst nach der Lektüre, hinten im Buch. Dann hat man den wundervollen Erstling Aherns bereits gelesen und weiß: P.S. Ich liebe Dich hätte es auch verdient gedruckt zu werden, wenn Ahern keinen so bekannten Vater hätte. Denn P.S. Ich liebe Dich ist ein herrlich schöner, raffinierter, im besten Sinn des Wortes sentimentaler und anrührender Roman. Unbedingt lesen. --Isa Gerck
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus P.S. Ich liebe Dich von Cecilia Ahern, Christine Strüh. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
>Gerry, mach das Licht aus!« Kichernd sah Holly ihrem Mann beim Ausziehen zu. Er tanzte im
Zimmer herum, als wollte er einen Striptease vorführen, und knöpfte sich ganz langsam mit seinen
langen, schmalen Fingern das Hemd auf. Dann zog er die linke Augenbraue hoch, fixierte Holly, ließ
das Hemd von der Schulter rutschen, fing es mit der rechten Hand auf und schwenkte es über dem
Kopf.
Wieder musste Holly kichern.
»Das Licht ausmachen? Damit du das alles verpasst?« Er grinste frech und ließ seine Muskeln
spielen. Holly fand, dass er allen Grund gehabt hätte, eitel zu sein, was er zum Glück nicht war. Sein
Körper war kräftig und gut proportioniert, mit langen, muskulösen Beinen - Ergebnis der Stunden im
Fitnessstudio. Zwar war er mit seinen eins sechsundsiebzig nicht sehr groß, aber doch groß genug,
dass Holly sich mit ihren eins zweiundsechzig neben ihm sicher fühlte. Sie liebte es, dass ihr Kopf
genau bis unter sein Kinn reichte, wenn sie sich umarmten. Dann spürte sie, wie sein Atem leise durch
ihre Haare strich und sie am Kopf kitzelte.
Ihr Herz tat einen Sprung, als er seine Boxershorts herunterzog, mit den Zehenspitzen auffing und zu
Holly hinüberschleuderte. Die Unterhose landete auf ihrem Kopf.
»Na ja, wenigstens ist es hier drunter etwas dunkler«, prustete sie. Er schaffte es immer, sie zum
Lachen zu bringen. Wenn sie müde und verärgert von der Arbeit nach Hause kam, hatte er im-mer ein
offenes Ohr für ihr Gejammer. Sie stritten sich selten, und enn doch, dann ging es meistens um
irgendwelche blöden Klei-nigkeiten, über die sie später lachen mussten. Wer den ganzen Tag das
Verandalicht angelassen hatte zum Beispiel, oder wer abends vergessen hatte, den Wecker zu
stellen.
Gerry beendete seinen Striptease und hechtete ins Bett. Dort ku-schelte er sich an sie und stopfte
seine eiskalten Füße unter ihre Bei-ne, um sie aufzuwärmen. »liiih! Gerry, du hast ja Eisklötze statt
Füße!« Sie wusste ganz genau, dass er in dieser Position nicht ge-willt war, sich auch nur einen
Zentimeter vom Fleck zu rühren. »Gerry«, sagte sie mit warnender Stimme.
»Holly«, äffte er sie nach.
»Hast du nicht was vergessen?«
»Nicht dass ich wusste«, antwortete er frech.
»Und was ist mit dem Licht?«
»Ach ja, das Licht«, meinte er schläfrig und fing laut an zu schnarchen.
»Gerry!«
»Gestern Abend musste ich aufstehen und es ausmachen, das weiß ich noch genau.«
»Ja, aber du hast vor einer Sekunde noch direkt neben dem Lichtschalter gestanden.«
»Ja ... vor «iner Sekunde«, wiederholte er müde.
Holly seufzte. Sie hasste es, wieder aufstehen zu müssen, wenn sie es sich im Bett schon richtig
gemütlich gemacht hatte. Man musste über den kalten Holzfußboden zum Lichtschalter und dann im
Dunkeln wieder zurücktapsen. Sie brummelte vorwurfsvoll.
»Ich kann das nicht jeden Abend für dich erledigen, weißt du, Holly. Vielleicht bin ich irgendwann nicht
mehr da, und was dann?«
»Dann schick ich meinen neuen Mann los«, gab Holly von oben herab zurück, während sie versuchte,
seine kalten Füße wegzuschieben.
»Ha!«
»Oder ich vergesse einfach nicht mehr, das Licht auszumachen, bevor ich ins Bett krieche.«
Gerry schnaubte. »Das halte ich für nicht sehr wahrscheinlich, meine Liebste. Da musste ich schon
einen Zettel am Lichtschalter hinterlassen, bevor ich dahinscheide.«
»Wie rücksichtsvoll von dir. Aber es wäre mir lieber, du würdest mir dein Geld hinterlassen.«
»Und einen Zettel auf der Heizung«, fuhr er unbeirrt fort.
»Ha, ha.«
»Und einen auf der Milchpackung.«
»Du bist wirklich sehr komisch, Gerry.«
»Ach ja, und an den Fenstern, damit du sie morgens nicht auf-machst und die Alarmanlage auslöst.«
»Hey, warum hinterlässt du mir in deinem Testament nicht eine Liste mit Anweisungen, wenn du
glaubst, ich bin ohne dich so aufgeschmissen?«
»Keine schlechte Idee«, lachte er.
»Na gut, dann mach ich jetzt eben das blöde Licht aus.« Widerwillig kroch Holly aus dem Bett, schnitt
eine Grimasse, als ihre Füße den eiskalten Boden berührten, und knipste flink das Licht aus. Dann
streckte sie die Arme aus und tastete, sich durch die Dunkelheit zurück zum Bett.
»Hallo? !!! Holly, bist du noch da? Ist jemand da draußen, draußen, draußen?«, rief Gerry in die
Finsternis.
»Ja, ich bin da, aaaautsch!«, jaulte sie, als sie mit dem Zeh gegen den Bettpfosten stieß. »Scheiße,
Scheiße, Scheiße, verdammte Scheiße, blöder Mist!«
Unter der Bettdecke hörte sie Gerry kichern. »Nummer zwei auf meiner Liste: Achte auf den
Bettpfosten ...«
»Ach, halt den Mund, Gerry, und hör mit diesem morbiden Scheiß auf«, fauchte Holly, während sie
sich ihren armen verletzten Fuß hielt.
»Soll ich dein Füßchen küssen, damit es nicht mehr so wehtut?«, bot er großzügig an.
»Nein, ist schon okay«, entgegnete sie traurig. »Wenn ich meine Füßchen nur hier zu dir stecken
kann, damit sie warm werden ...«
»Aaaaah! Verdammte Hacke, die sind eiskalt!« »Hi hi hi«, kicherte sie gemein.