Der Kästner-Klassiker Pünktchen und Anton" als Comic. Kann das gutgehen? Es kann - wenn Isabel Kreitz den Roman umsetzt. Dabei ist Pünktchen und Anton" nicht Kreitz' erste Comicadaption. 1996 erschien von ihr Die Entdeckung der Currywurst" nach der Novelle von Uwe Timm und im Jahr 2006 Der 35. Mai" nach Kästners Kinderroman. Im Jahr 2009 endlich legt Kreitz mit einem weiteren Roman Kästners nach und überzeugt erneut Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Der Stil des Buches ist dabei ganz und gar an Walter Trier angelehnt, mit dem Kästner jahrelang zusammen gearbeitet und der unter anderem auch sein erstes Buch Emil und die Detektive" illustriert hat.
Die liebevollen Zeichnungen und bunten, aber nicht grellen Kolorierungen begeistern. Vor allem aber ist es der Humor, der sowohl Kästner als auch Trier gerecht wird und restlos begeistert. Kreitz hat sich trotz 100 Seiten auf die wichtigsten Szenen reduzieren müssen und dabei vor allem die direkte Rede aus dem Roman herausgegriffen. Diese hat sie so illustriert und in Beziehung gesetzt, dass man am Ende denkt, anders hätte die Geschichte von Luise Pünktchen" Pogge in Comicform nicht erzählt werden können, vor allem aber auch nicht erzählt werden dürfen. Die Form unterscheidet den Comic vom Roman deutlich, aber der Witz und - auch wenn es paradox klingt - die Ernsthaftigkeit und der Respekt, mit denen Kästner seinen jungen Lesern gegenübertritt, sind auch im Comic zu finden. Selbiges gilt für Triers nie verletzenden Humor. So bleibt zu hoffen, das sich auch nicht so lesebegeisterte von diesem Comic mitreißen lassen.
Eine wunderbare Hommage an die zwei großen Humoristen Erich Kästner und Walter Trier, und die modernisierte, weniger moralisierende Variante einer alten Geschichte über Gleichheit, Freundschaft und Gerechtigkeit.