'Der' Krapp/Weidenmann veranlasst mich nach Langem mal wieder, eine Rezension zu einem Lehrbuch zu schreiben.
Einem Großteil meiner 'Vorredner' kann ich mich nur anschließen: ich halte dieses Buch für eines der am schlechtesten geschriebenen Lehrbücher, die es nicht nur in diesem Fach, sondern generell für die Grundfächer des (Diplom-)Psychologie-Studiums gibt. Und Lehrbücher habe ich etliche in den letzten Jahren kennen gelernt, d.h. es liegt durchaus eine große Vergleichsbasis vor.
Der Krapp/Weidenmann ist für mich sehr schwer zu lesen und ich halte ihn für extrems unübersichtlich. An einem Kapitel saß ich drei Tage, da es zum einen keinen Spaß machte zu lesen, zum anderen brauchte ich nach jeweils einer halben Stunde eine kurze Pause, um die Gedanken zu sortieren und neu Anlauf zu nehmen. Oftmals musste ich jeden Satz mehrmals lesen. Bzgl. Unübersichtlichkeit der Gliederung kann ich mich nur wundern, zumal es ein Lehrbuch der Pädagogischen Psychologie ist und die Herausgeber eigentlich wissen müssten, nach welchen Grundsätzen ein Lehrbuch zu gestalten ist. Bestes Beispiel hierfür sind die Übersichten zu Beginn jedes Kapitels, die in Mind-Map-Form gestaltet sind, wobei der Inhalt nicht geeignet ist, um in Mind-Maps dargestellt zu werden, was dazu führt, dass diese 'Übersicht' keinen Überblick gibt, sondern lediglich ein nett gezeichnetes Beiwerk zu Kapitelbeginn darstellt, das man nicht weiter wahrzunehmen braucht. Ein weiteres Beispiel sind die Zusammenfassungen am Ende der Kapitel, die schlichtweg keine Zusammenfassungen sind, sondern eher eine Einleitung, die am Anfang des Kapitels stehen sollte. Es handelt sich nur um eine Aufzählung dessen, was im Kapitel vorzufinden ist, à la "Unter 1 finden Sie ..., unter 1.1. ..." usw., aber ohne tiefer auf den Inhalt einzugehen. D.h. es reicht nicht, nur die Zusammenfassungen zu lesen, sondern man muss sich durch das komplette Kapitel durchboxen.
Ein gutes Beispiel für ein Lehrbuch der Pädagogischen Psychologie, das nach den Grundgestaltungsregeln aufgebaut ist, und sogar den Personen Spaß macht, die sich ansonsten nicht so sehr für dieses Fach interessieren, stellt das Buch 'Pädagogische Psychologie' von Wolfgang Schnotz dar. Ohne Werbung machen zu wollen, zumal es nur einen Überblick über die Themen dieses Faches gibt (dies aber in sehr guter Form).
Klar ist ein Lehrbuch nicht nur dazu da, 'Spaß' zu machen; andererseits sollte es einem auch die Lernmotivation stehlen! Ich gebe dem Buch - auch aufgrund seines durchaus geballten 'Wissens' - was natürlich vorteilhaft ist, insbesondere wenn man in diesem Fach beruflich tätig wird und mal eben etwas nachschlagen möchte - 3 Sterne. Ich gebe jedoch offen zu, dass ich deshalb letztendlich doch nur 2 Sterne vergebe, um das meines Erachtens zu gute Abschneiden bei den Bewertungen hier ein wenig in die/meine Realität zu schieben. Kaufen würde ich dieses Buch nicht und freiwillig nicht mehr Kapitel lesen als die sechs Kapitel, die wir für die Diplomprüfung lesen müssen.'Gut lern!' an alle!!