Für das neue Album OYO ist Angelique Kidjo zu einem kleineren Label gewechselt. Was meist mehr künstlerische Freiheit bedeutet, hat hier wenig genützt. Nun wird hier erklärtermaßen nach musikalischen Wurzeln gegraben, aber Kidjo konnte das schon besser und mitreißender, z. B. auf OREMI. OYO hingegen ist bis auf wenige Ausnahmen (z. B. KELELE, AFIA) doch recht behäbig geraten. Nimmt es Wunder, das die beiden genannten Beispiele ausgerechnet keine Coverversionen sind, sondern Eigenkompositionen? Kidjos Umtriebigkeit in allen Ehren, aber ihre Interpretationen von SAMBA PA TI (Santana) oder MOVE ON UP (Curtis Mayfield) wirken ziemlich blass und lustlos, die afrikanischen Einsprengsel möchten nicht recht passen. Meist wird irgendwie mit angezogener Handbremse vor sich hin musiziert.
Schön, dass Angelique mal wieder durch Deutschland tourt, schön, mal wieder diese wundervolle Stimme zu hören, aber das aktuelle Album ist trotzdem kein Reißer geworden.
Ich schwanke zwischen zwei oder drei Sternen, aber gemessen an ihren früheren Alben ist der Qualitätsabfall doch allzu augenfällig: zwei Sterne.
P.S. (13.4.2010): Live funktioniert das Album hervorragend, hätte ich nicht erwartet. Sicher liegt das auch an der unglaublichen Bühnenpräsenz der quirligen Dame. Sehr bewegend schilderte sie beim Berliner Konzert, dass ihr Vater vor zwei Jahren starb und sie ihm deshalb dieses Album gewidmet habe mit all den Songs, die sie in ihrer Jugend beeinflusst haben. Da tut mir meine gnadenlose Abwertung ja schon fast leid. Also: dann doch gefühlte drei ***.