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Das Debutalbum (?) JMJs - entstanden Mitte der 70er - ist für mich sein bisher ausdrucksstärkstes Werk. Es hat die elektronische Musikwelt nicht minder beeinflusst wie die Musik von Kraftwerk, mit dem Unterschied, dass Jarre das Sphärische betont wo Kraftwerk den Puls der Maschine zelebriert.
Ich für meine Person bin ein Träumer, und wenn ich mir in einer sternenklaren Nacht den Kopfhörer überstülpe, aus dessen Muscheln mir "Oxygene" entgegenklingt, und in den Himmel blicke, vermeine ich den kühlen Staub von Jahrmilliarden auf mir zu spüren, lasse mich einhüllen und davontragen, zeitlos, ewig, all-eins.
Als Hörer weiß man ja nie, was sich der Komponist bei der Entstehung seines Werkes dachte, aber mich bringt der Titel „Oxygene" irgendwie auf eine Zeitreise in die Entstehungszeit der Erde! Es ist wie ein Film über die Entstehung unseres Planeten und des Lebens.
„Oxygene Part 1" symbolisiert für mich den Anfang der Welt, als noch das Chaos herrschte. Alles entsteht gerade aus dem Urnebel im Sonnensystem. Dieses wilde Durcheinander der hin- und herstrebenden Fragmente wird perfekt von der Musik dargestellt. Alles fliegt in alle Richtungen umher, und fügt sich doch langsam zusammen. So entsteht im Kopf das Bild eines heißen, im Entstehen begriffenen Planeten. Alles brodelt, dampft, blitzt und zischt! Wie in einem riesigen Kessel wird die Ursuppe gekocht!
„Oxygene Part 2" zeigt dann, wie der Planet allmählich eine feste Form anzunehmen beginnt. Ich beame runter auf die neue Oberfläche. Aber auch hier herrschen noch immer Hitze und Dampf, immer noch kocht alles. Und unablässig sausen Kometenschauer und Meteoritenhagel vom glühenden Himmel herunter, lassen die flüssige Masse auseinanderspritzen, wirbeln alles weiter kräftig durcheinander. Der Moment, als dann die ersten Einzeller in diesem Urschlamm entstehen, ist ab Minute 3:29 in diesem „Part 2", wenn die Musik in dieses harmonische Schweben übergeht. Von jetzt an geht es immer weiter mit der Evolution. Aber noch immer ist es unwirtlich auf der Erde, noch immer spritzen die Sternenhagel umher. Doch die Basis für die Entstehung des wichtigsten Elements, dem Sauerstoff (eben „Oxygene"), ist gelegt.
In „Oxygene Part 3" gibt es dann bereits eine feste Erdoberfläche. Die Erde erkaltet langsam. Die Kontinente und die Ozeane bilden sich. Natürlich geschieht auch das vor meinem geistigen Auge wieder im Zeitraffer. Der Hauptentstehungsprozess ist abgeschlossen. Das Vogelgezwitscher am Ende ist allerdings noch etwas verfrüht...
In „Oxygene Part 4", dem weltberühmte Thema, das fast jeder aus zahllosen Naturfilmen kennt, gibt es dann endlich richtige Luft. Der Himmel ist klar und blau geworden. Wind rauscht umher. Alles ist zwar noch etwas unbelebt, aber wie gesagt, unsere Luft zum Atmen ist nun da! Ich stehe an einer Küste mit schroffen Felsen, sehe auf das Urmeer hinaus, spüre den Wind, der mich umrauscht. Ich atme tiefe Züge dieser total frischen und neuen Luft. Ich möchte fliegen, und diese wunderbare Musik macht es möglich! Sie nimmt den Hörer förmlich mit auf einen Rundflug um die neue junge Erde.
„Oxygene Part 5" zeigt im ersten Teil dann schon so etwas wie eine Idylle, eine Art Garten Eden ist entstanden. Alles ist friedlich und wunderschön. Der Himmel ist blau, das Land grünt und blüht. Es ist irgendwie eine kleine Atempause eingekehrt. Die Natur ist noch unberührt und rein. So könnte es für immer bleiben. Aber dann legt der Schöpfer ab Minute 5:20 noch mal richtig los und bringt den Motor des Lebens erst so richtig auf volle Touren! Dann geht alles noch schneller und schneller. Der Schöpfungsakt wird nun vollendet. Der Hörer wird förmlich mitgerissen von diesem gewaltigen Sog, der alles auf volle Kraft treibt! Ein Weltwirbel ohnegleichen braust los. Ich fliege wie im Sinnesrausch mit um die Erde, wieder und wieder, schneller und schneller. Nichts kann mich halten. Aber es ist eine wunderbare Reise. Trotz dieser gewaltigen Geschwindigkeit, bei der nochmal alle Register gezogen werden, fühle ich mich stets sicher und geborgen! Was sollte denn auch schon passieren?!
In „Oxygene Part 6" geht die Reise zu Ende. Das Werk ist vollbracht! Dieses Rauschen am Ende der Komposition symbolisiert für mich den Atem der Welt! Die Erde selber atmet mit gewaltigen Zügen ein und aus. Ein harmonisches Ende eines perfekten Musikwerks! Kaum verklingen diese tiefen Atemzüge, die unsere Erde haucht, muss ich sofort von vorne anfangen!
Fazit: Selten hat mich eine Komposition so fasziniert wie „Oxygene" von Jarre! Besser kann man atmosphärischen Sound nicht kreieren! Für jeden interessierten Musikliebhaber elektronischer Musik gehört diese Platte zur Pflicht! Ein wahres Meisterwerk, das auch nach fast 30 Jahren nichts von seiner Faszination und Schönheit eingebüßt hat!
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