Vieles von den eher negativen Rezensionen ist richtig:
Erstens: Ja: Dieses Album ist überwiegend für den Bauch/Beine/Po, nicht für den Kopf.
Zweitens: Ja: Die 80er Jahre sind unüberhörbar !
Human League (Being Boiled (Voice of Buddha)) meets Gwen Guthrie (Aint nothing going on but the rich) in Parallel Lives, dann noch ein bisschen Blow Monkeys(Let me know?) und Adamski(+Seal)(You know me better), aber man erinnert sich auch an Propaganda aus Deutschland, Cameo aus Amerika (footprints) oder so manchen Ami-Remix (ist das tatsächlich Whitney Houstons So Emotional in Cry Baby?). Auf jeden Fall dominiert dieser inzwischen verhasste 80er-Synthie-Klang mit dem man sich wieder aussöhnen muss.(statt der derzeit üblicherweise megabreiten "Call on me" Klangcluster, die inzwischen nur noch nerven!)
Obwohl mit dieser Musik großgeworden, bin ich in einen Haß auf die 80er hineingewachsen. Dass das nur daran lag, weil immer die falschen Stücke im Radio erklingen (Studenten-Party- und über 30 Party-Schrott), beweist Roisin Murphy nun eindringlich. Alle, die Madonnas Confession to the Dancefloor haben gelten lassen (das gar nicht sooo schlecht war), müssen zugeben, dass dieses Album eine viel geschmackssichere und wirklich innovativere Annäherung, ja Huldigung der 80er ist.
Allerdings mit 80er Jahre Disco allein wird man diesem Album nicht gerecht. Denn parallel auf dem zweiten Gleis fährt ein postmoderner Sound des 21. Jahrhundert mit (nur selten ist der so klar erkennbar wie in dem Augenzwinkern zu Justin Timberlake in "checkin' on" (und ein bisschen auch in "tell everybody")). Und so findet man sich auf einem Trip parallel durch zwei Jahrzehnte, und das auch im zweiten Sinne des Wortes, denn dadurch entwickelt sich etwas süchtigmachendes, extatisches, abgedriftetes. Ich schäme mich nicht-für die "platten" Movie Star und Cry Baby gehe ich auch dann auf die Tanzfläche, wenn mir keiner folgt. Und mir tut jeder leid, der nicht folgen kann.
Dass man aber, wenn man sich erst mal mit diesem Retro-Moment abgefunden hat, dem Album auch intellektuell auf kleiner Lautstärke im Sessel bewundern kann - und eben nicht nur in den langsameren Stücken, macht dieses Album für mich zu etwas wirklich großartigen.