1. Überblick
Nun ist's schon ein paar Jährchen her, seit ich mir diese Scheibe der alten Hardrocker um den legendären Frontman Lemmy gekauft habe, und immer noch gehört die Scheibe zu den regulär gespielten Alben in meiner Anlage. Dies zeugt vor allem von der Tatsache, dass hier nicht nur gewohnter Motörhead-Wahnsinn geboten wird, sondern auch ein richtiges Album: Sauber produziert (beinahe schon zu sauber, für Motörhead-Verhältnisse), kraftvoll, abwechslungsreich, gute Lyrics und nicht zuletzt stilistische Stimmigkeit. Letzterer Punkt zeichnet dieses Album besonders aus, die Lieder gehören irgendwie alle zusammen und stammen unverkennbar aus einer Quelle, ohne jedoch blosse Kopien früherer Kompositionen zu sein - und das will was heissen bei dieser Band! Nicht nur Lemmy präsentiert sich erstmals ohne seinen kennzeichnenden Bart, auch in musikalischer Hinsicht ist dieses Album bitterer, dunkler und stählerner als andere Motörhead-Werke.
2. Inhalt
"Civil War" eröffnet die verzweifelte, wütende Reise durch die Niederungen der Menschheit mit sehr dunklen, harten Riffs. Dieses Stück erinnert musikalisch beinahe etwas an satanistischen Rock, sehr heavy, sehr düster. Brilliant! Die Reise wird fortgesetzt über das hoffnungslose "I don't believe a word", gelangt mit "Eat the gun" zu einem brachialen Anti-Kriegs-Statement und führt den Hörer über einige sehr schöne Umwege zum finalen und locker-hellen "Listen to your heart", eine Art Moralbotschaft am Ende des Albums. Zunächst schien mir dieser letzte Song dem Charakter des Albums zu widersprechen, doch beachtet man die Lyrics und den bewussten musikalischen wechsel zu einer positiveren, "helleren" Atmosphäre im Sinne einer optimistischen Wende zum Schluss, dann macht es durchaus Sinn.
Auffallend sind trotz der eher Heavy Metal als Rock'n'Roll Obertöne die vielen Mitsing-Refrains, die hier geboten werden. Dies macht die Songs beliebte Konzertstücke, die Live übrigens noch härter und brachialer wirken. Das gleichnamige Lied "Overnight sensation" wird von vielen Fans und der Band selber als der Höhepunkt des Albums betrachtet, was natürlich geschmacksbedingt ist. Doch allgemein lässt sich sagen, dass diese Scheibe eher kein Spitzenlied besitzt, sondern in seiner Gesamtheit glänzt. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich ihr neustes Werk "Inferno", ein diesbezüglicher Gegensatz (drei, vier sehr gute Lieder, Rest eher mässig schwammig).
3. Fazit
Ein exzellentes Album mit dunkler Untergangsstimmung, das durch sein stilistisch und lyrisch ganzheitliches Konzept, seine nichtsdestotrotz grosse musikalische Vielfalt und seinen düsteren, kraftvollen Heavy Metal Ergüssen glänzt, ohne sich in Wiederholungen und lethargischem Gitarrengeplärr zu verlieren. Auf jeden Fall ist diese eher untypische Motörheadscheibe einen Kauf Wert!
4. Bewertung
* geile Lieder, gute Kompositionen
* konzeptionell und ganzheitlich, gute Lyrics
* saubere Produktion, gute Soundqualität
* genügend abwechslungsreich
- Ein fünfter Stern fehlt aufgrund dem gewissen Song mit dem "Kick", der hier einfach fehlt.