Jacques Offenbach wurde 1819 als Jakob Eberst in Köln geboren. Um antisemtischen Ressentiments entgegenzuwirken änderte sein Vater, Isaac Eberst, den Familiennamen in Offenbach, da er aus Offenbach am Main stammte. Offenbachs Vater war selbst Musiker und unterrichtete seinen Sohn im Geigen- und Cellospiel, wobei sich dieser als sehr talentiert erwies, weswegen ihn der Vater 1833 nach Paris schickte, wo er am dortigen Conservatoire von Luigi Cherubini aufgenommen wurde und fortan studierte und als Cellist fungierte. In Paris änderte Offenbach seinen Vornamen von Jakob zu Jacques.
Nach dem Abbruch des Studiums war er Cellist in verschiedenen Boulevardtheatern und erwarb den Ruf eines begabten Solisten, der mit großen Pianisten wie Lizt und Mendelssohn auftrat. Ab 1849 wurde er Dirigent am Théâtre francaise und schrieb die Bühnenmusik zu den dort aufgeführten Theaterstücken. 1855 eröffnete Offenbach ein eigenes Theater, in dem er zunächst selbst geschriebene Einakter aufführte. 1858 komponierte er Orphee aux Enfers (Orpheus in der Unterwelt), seinen ersten Zweiakter, welcher ihm den Durchbruch brachte. Die vor allem wegen des Cancan, mit dem sie schließt, weltberühmte Ouvertüre zu diesem Werk hören Sie als erstes auf dieser CD.
Jacques Offenbach gilt als der Begründer der Operette, wobei sich Offenbachs Lesarten dieser Gattung des Musikdramas von der Wiener Operette Lehars und Strauß eigentlich beträchtlich unterscheidet. Offenbach verbindet eingängige Melodien mit gesellschaftlich-politischer Satire, seine Musik ist im Original deutlich weniger vollmundig und wuchtig als die von Strauß und Lehar, was aber in der Regel durch die Aufführungstraditionen, die sich eingespielt haben weniger zur Geltung gebracht wird.
Hier sehe ich auch einen kleinen Kritikpunkt an den hier eingespielten Interpretationen Herbert von Karajans mit den Berliner Philharmonikern. Wie von Karajan gewöhnt agiert dieser mit einem ausgesprochen großen Orchester und setzt der Durchsichtigkeit des Klangs sein Konzept des zu einem großen Instrument sich vereinigenden Orchesters gegenüber. Wie weit er sich damit von Offenbach entfernt hat, könnte man wohl ewig lange und kompliziert diskutieren. Je tiefer es diesbezüglich in Details, um so mehr muss ich auch gestehen, dafür nicht ausreichend qualifiziert zu sein, weswegen ich auch bei meinen subjektiven Eindrücken bleiben werde. Puristen mögen vielleicht eine allzu verkitschte Lesart der Musik bemängeln. Ich persönlich muss einfach sagen, dass ich diese CD sehr gerne höre und große Freude an ihr habe. Karajan und das Orchester bieten insgesamt einen passagenweise schwungvollen, passagenweise auch wunderbar Empfindsamen Offenbach. Die exquisite Qualität der Berliner Musiker kommt wunderbar zum Tragen.
Eine wirklich sehr gute CD.