1. Outside erschien im September 1995 und sollte ursprünglich als Konzeptalbum-Reihe die letzten Jahre des letzten Milliums begleiten. Auf dem Album widmet sich Bowie dem sehr schwierigen Thema "Art-Crime" und schuf für das Album gleich mehrere Charaktere, die zwischen den einzelnen Tracks eine in einer nahen düsteren Zukunft angesiedelten Geschichte erzählen.
Ich muss gestehen, dass ich den Sinn der Story auch nach mehrmaligem Hören nicht ganz verstehe. Dennoch hinterlassen die kurzen Monologe wegen Ihrer Instrumentierung und Stimmverzerrung einen sehr nachhaltigen, teils verstörenden Eindruck. Diese Tracks wurden übrigens vom Produzenten Brian Eno eingespielt, der bereits in den 70ern die brillianten DB-Alben "Low" und "Heroes" sowie teilweise "Lodger" produzierte.
Inspiration für das Album fand Bowie sicherlich zu einem großen Teil bei Scott Walker, der fast zeitgleich das Album "Tilt" veröffentlichte und eindrucksvoll belegte, was eine extreme, hermetisch abgeschlossene Pop-Platte sein kann. Outside geht zwar nicht ganz so weit, ist aber ebenfalls vom Mainstream-Pop Lichtjahre entfernt. Künstlerisch kommt bei Outside Bowies Faszination für Außenseiter und Verrückte zur Geltung. Bowie beschäftigte sich zeitgleich zum Album besonder intensiv mit der Malerei, besuchte in Österreich auch eine Anstalt für Psychisch Kranke und war kurzzeitig auch von der Kunst eines Hermann Nietsch sehr angetan. Die Atmosphäre des Albums findet man vielleicht auch auf dem 1998 erschienenen Film, "Strange Days".
Aber zur Musik selbst: Outside ist, wie ich finde, DBs schwierigstes Album. Ich würde die Musik als Avantgarde-Pop bezeichnen, wobei das Wort Pop recht klein geschrieben ist...der einzige, recht eingängige Titel ist "Strangers when we meet", der zumindest einen gewissen Optimismus ausstrahlt. Alle anderen Tracks strahlen eine teilweise verstörende, teilweise brutale oder völlig orientierungslose Atmosphäre aus.
Einige Highlights:
1) Leon takes us outside/Outside (Der Song behandelt die Verschmelzung von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Der Refrain "It´s happening now" ist allerdings alles andere als buddhistische Leichtigkeit ;-)
2) The Motel: für mich vertonter Pop-Existenzialismus. Jedes Mal, wenn ich diesen Song höre, denke ich an Jean-Paul Satre und sein Stück "Geschlossene Gesellschaft" (There is no hell like the old hell.."
3) I am deranged: interessant hier, dass dieser Track als Intro für den Film "Lost Highway" (Kunstfilm von David Lynch) verwendet wurde. Die Musik begleitet übrigens ein Auto, das über eine endlose Straße in die Dunkelheit eintaucht
4) Thru these Archtects Eyes: fantastischer, gehetzter Song mit einer schrägen absteigenden Melodielinie, einem harten Rythmus und einem verstörenden Gesang - beim Zuhören denke ich immer an grellen, nächtlichen Verkehr, an eine seltsame Mischung aus Starre und Geschwindigkeit..
5) Strangers when we meet: wie gesagt der "positivste" Track des Albums, wenn er auch nicht ganz zum Rest des Albums passt
6) Hello Spaceboy: diese Nummer wurde als Pet Shop Boys/David Bowie-Kooperation als Single veröffentlicht und war auch ein kleiner Charterfolg. Die Version auf Outside ist aber wesentlich härter und mir persönlich gefällt die Pet Shops Boys-Version besser.
Interessant vielleicht noch, dass Bowie aus "Outside" zunächst "The Hearts Filthy Lesson" veröffentlichte - einen extrem interessanten, aber VÖLLIG UNKOMMERZIELLEN Track. Auch braucht man für das Video recht starke Nerven. Es ist ein Mischung aus Kunst, dem griechischen Minotaurus, viel Blut und archaischen Elementen.
Das Album ist wie gesagt Bowies vielleicht schwierigstes Werk, ist aber brilliant, wenn man sich die Mühe macht es wirklich zu hören. 5 Sterne!
Mutig auch, dass Bowie (gemeinsam mit den Nine Inch Nails) mit diesem recht sperrigen Werk nach der Veröffentlichung auf Tournee ging und doch einige Songs performte (aufgelockert mit teilweise wenig bekannten, älteren Songs). Ich selbst war 1996 bei einem Outside-Konzert in Wien und war begeistert.
PS: Aus dem Plänen dem Outside 1. weitere Alben folgen zu lassen, wurde übrigens dann doch nichts. Bowie ging zwar seinen experimentellen Weg weiter. Sein nächstes Album "Earthling" war aber doch schon wesentlich eingängiger.