Jimmy Page zeigt auf diesem Solo-Werk vor allem eins: Das alles im Leben seine Zeit hat, und das eine Karriere in einer Band wie Led Zeppelin und nach deren Final, einen Menschen stark verändern kann. Ich müßte verrückt sein, wollte ich diese CD an irgendwas vorherigem messen; es ist auch gar nicht nötig. Ich sage es mal so: Man kann diese Scheibe beim ersten Hören vielleicht etwas uninspiriert empfinden, das war bei mir auch so. Wenn man jedoch genauer "zwischen den Zeilen" hört, offenbart sich einem eine seltsam mystisch-angeschrägte Traurigkeit, ein derart abseitig-fremdartiger Blues, wie man Ihn zuvor nicht kannte. Auch findet man noch viel von Jimmy`s Faible fürs Okkulte und Übersinnliche, jedoch in ganz anderem Kontext - viel schwerer und rockiger. Diese Platte hat etwas sehr gespenstisches, wenn man sich Ihr hingibt, und gerade das macht Ihre wahre Größe wirklich aus. Sie täuscht einem Lethargie vor, spricht aber eigentlich die Sprache der modernen Verzweiflung. Sicher: Jimmy Page hat in seinem Leben alles erreicht. Aber muß die Trauer in der "splendid isolation" deshalb unaufrichtig und saturiert sein? Ich finde nicht! Diese Platte braucht viele Anläufe, bis sie richtig greift; dann wird sie sie nicht mehr loslassen!!!
p.s.:das gleiche Phänomen gilt auch für Bryan Ferry`s oder Marianne Faithfull`s Spätphase... oder glaubt da draußen wirklich jemand ernsthaft, das solche alte Hasen nicht wissen was sie tun??? Sie sind Künstler, und sie nutzen Ihr Recht, uns keine vorgekaute Pampe vorzusetzen, ich mag Platten, die mir`s nicht zu leicht machen; es ist wie das Leben selbst... - - - Für unvoreingenommene Zuhörer wärmstens zu empfehlen!!!