Dass ihr Name dieses Mal auch auf dem Cover von „Outer South“ steht, spricht für die verstärkte Mitarbeit der Mystic Valley Band. Sogar das Mikrofon verleiht Oberst an seine Country-Kollegen.
Das getragene und zugleich taktvolle „Big Black Nothing“, bei dem man sich zunächst wundert, warum die Stimme so neuartig klingt, ist einer der gelungenen Tracks dieses neuen Konzepts. Die Erklärung ist, dass Mystic Valleys Nik Freitas die Lead Vocals abbekommen hat. Im Background singt und klatscht der Rest der Band, die Melodie ist eingängig.
Anders verhält es sich beim sehr rhythmischen „Air Mattress“, dem Taylor Hollingsworth, Mystic Valley-Sänger Nummer zwei, seine hohe Stimme leiht. Dass jene keine sonderliche Prägnanz besitzt, bestätigt dann auch der dritte Bandkollege Marcey Taylor, dessen Stimme sich in „Worldwide“ fast genauso anhört. Dass sieben der 16 Tracks von Gastsängern stammen, hatte man nicht erwartet. Die sich festigende Freundschaft mit der Country-Musik ist eine Sache, aber muss Bright Eyes-Frontmann Oberst nun solo auch noch die Vocals an die Gastband abtreten?
Conor und seine Freunde wandeln auf „Outher South“ weiter auf den Pfaden des Folks, Songwritertums und - wie auf dem selbstbetitelten Debüt der neuen Oberst-Ära - des Countrys. Doch die Symbiose aus melancholischer Songwriter-Stimme und rhythmischem Geklimper geht nur bedingt auf.
Zu den besseren Stücken zählen die mit schlichter Instrumentalisierung, wie „I Got The Reason #2“ mit seinem Elektropiano oder das getragene "To All the Lights In The Windows". Fern davon musiziert die Begleitkapelle ein wenig zu ausgiebig. Der Querschnitt klingt einheitlich folkig und lahm, sowohl in rhythmisch-melodischen, als auch in den getragenen Stücken. Die E-Gitarren und Obersts weniger liebliche Stimme in „Roosevelt Room“ verhelfen der Platte zu ein wenig rockiger Abwechslung.
Dass auch sein lyrisches Talent an Qualität eingebüßt hat, beweisen ständige Wiederholungen in „Slowly (Oh So Slowly)“ oder dem Gitarren lastigen „Ten Women“. Gerade weil man um seine Gabe weiß, wäre ein Album, das in seiner Gesamtheit überzeugt, wünschenswert. Stattdessen muss man sich mit einzelnen Perlen begnügen. Was „Milk Thistle“ auf „Conor Oberst“ schaffte, heißt dieses Mal „White Shoes“. Der Track fällt deshalb aus dem Einheitsbrei, da Oberst auf weitere Instrumentalisierung verzichtet und schlicht mit Akustikgitarre agiert. Er erinnert an seine Tage als charismatischer Weintrinker, der juvenil sein Leid klagt.
Weniger Country, keine inspirierenden Reisen nach Florida und Mexiko sowie reduzierte Euphorie - Gedanken an die Zeiten der Bright Eyes sind beim Auflegen von „Outer South“ fast unvermeidlich. Doch auch, wenn man sich damit abfindet, dass Herr Oberst jetzt erwachsen ist, bleibt der Wunsch, dass nicht fremde Stimmen statt der seinen durch die Boxen tönen.
Jasmin Hollatz