Aus der Amazon.de-Redaktion
Conor Oberst hat immer wieder betont, wie gleichberechtigt er seine Bandmitglieder bei den Bright Eyes sieht. Trotz seiner scheinbar übermächtigen, trotz seiner alle überragenden Fähigkeiten als Songwriter. Fast auf den Tag genau veröffentlicht der Sänger aus Omaha neun Monate nach seinem ersten, selbstbetitelten Solo-Album mit dem wieder einmal überzeugenden Outer South ein zweites unter eigenem Namen. Fast jedenfalls, denn diesmal wird die Mystic Valley Band mit erwähnt. Benannt wurde sie nach dem mexikanischen Valle Místico, wo sich das Sextett auf der Flucht vor dem grimmigen Nebraska-Winter im Jahre 2008 aufhielt. Die Aufnahme-Sessions und Live-Konzerte ließ die Band zu einer solchen zusammen wachsen. Ein Prozess, der sich deutlich hörbar auf Outer South bemerkbar macht. Im Gegensatz zu Conor Oberst tritt der scheinbar übermächtige Frontmann nun häufiger ins zweite Glied zurück. Er überlässt den Gitarristen Taylor Hollingsworth und Nik Freitas, dem Keyboarder Nathaniel Walcott, Bassist Macey Taylor und Drummer Jason Boesel einige Male das Songwriting oder beteiligt sie daran. Selbst die feste Position am Mikrophon tritt Oberst ab, was aber nicht zu einem Bruch führt, was Outer South aber auch zu keinem Meisterwerk macht. Es ist eine erwachsen und sehr amerikanisch klingenden Platte mit viel Country-Music, Folk-Einflüssen, Liebeserklärungen an Neil Young & Crazy Horse und Westcoast-Elementen. Outer South ist das Ergebnis einer Symbiose, das Produkt einer Band of Brothers. Hoffentlich treten sie nicht in Konkurrenz zu den Bright Eyes. - Sven Niechziol
motor.de
Dass ihr Name dieses Mal auch auf dem Cover von „Outer South“ steht, spricht für die verstärkte Mitarbeit der Mystic Valley Band. Sogar das Mikrofon verleiht Oberst an seine Country-Kollegen.
Das getragene und zugleich taktvolle „Big Black Nothing“, bei dem man sich zunächst wundert, warum die Stimme so neuartig klingt, ist einer der gelungenen Tracks dieses neuen Konzepts. Die Erklärung ist, dass Mystic Valleys Nik Freitas die Lead Vocals abbekommen hat. Im Background singt und klatscht der Rest der Band, die Melodie ist eingängig.
Anders verhält es sich beim sehr rhythmischen „Air Mattress“, dem Taylor Hollingsworth, Mystic Valley-Sänger Nummer zwei, seine hohe Stimme leiht. Dass jene keine sonderliche Prägnanz besitzt, bestätigt dann auch der dritte Bandkollege Marcey Taylor, dessen Stimme sich in „Worldwide“ fast genauso anhört. Dass sieben der 16 Tracks von Gastsängern stammen, hatte man nicht erwartet. Die sich festigende Freundschaft mit der Country-Musik ist eine Sache, aber muss Bright Eyes-Frontmann Oberst nun solo auch noch die Vocals an die Gastband abtreten?
Conor und seine Freunde wandeln auf „Outher South“ weiter auf den Pfaden des Folks, Songwritertums und - wie auf dem selbstbetitelten Debüt der neuen Oberst-Ära - des Countrys. Doch die Symbiose aus melancholischer Songwriter-Stimme und rhythmischem Geklimper geht nur bedingt auf.
Zu den besseren Stücken zählen die mit schlichter Instrumentalisierung, wie „I Got The Reason #2“ mit seinem Elektropiano oder das getragene "To All the Lights In The Windows". Fern davon musiziert die Begleitkapelle ein wenig zu ausgiebig. Der Querschnitt klingt einheitlich folkig und lahm, sowohl in rhythmisch-melodischen, als auch in den getragenen Stücken. Die E-Gitarren und Obersts weniger liebliche Stimme in „Roosevelt Room“ verhelfen der Platte zu ein wenig rockiger Abwechslung.
Dass auch sein lyrisches Talent an Qualität eingebüßt hat, beweisen ständige Wiederholungen in „Slowly (Oh So Slowly)“ oder dem Gitarren lastigen „Ten Women“. Gerade weil man um seine Gabe weiß, wäre ein Album, das in seiner Gesamtheit überzeugt, wünschenswert. Stattdessen muss man sich mit einzelnen Perlen begnügen. Was „Milk Thistle“ auf „Conor Oberst“ schaffte, heißt dieses Mal „White Shoes“. Der Track fällt deshalb aus dem Einheitsbrei, da Oberst auf weitere Instrumentalisierung verzichtet und schlicht mit Akustikgitarre agiert. Er erinnert an seine Tage als charismatischer Weintrinker, der juvenil sein Leid klagt.
Weniger Country, keine inspirierenden Reisen nach Florida und Mexiko sowie reduzierte Euphorie - Gedanken an die Zeiten der Bright Eyes sind beim Auflegen von „Outer South“ fast unvermeidlich. Doch auch, wenn man sich damit abfindet, dass Herr Oberst jetzt erwachsen ist, bleibt der Wunsch, dass nicht fremde Stimmen statt der seinen durch die Boxen tönen.
Jasmin Hollatz
Das getragene und zugleich taktvolle „Big Black Nothing“, bei dem man sich zunächst wundert, warum die Stimme so neuartig klingt, ist einer der gelungenen Tracks dieses neuen Konzepts. Die Erklärung ist, dass Mystic Valleys Nik Freitas die Lead Vocals abbekommen hat. Im Background singt und klatscht der Rest der Band, die Melodie ist eingängig.
Anders verhält es sich beim sehr rhythmischen „Air Mattress“, dem Taylor Hollingsworth, Mystic Valley-Sänger Nummer zwei, seine hohe Stimme leiht. Dass jene keine sonderliche Prägnanz besitzt, bestätigt dann auch der dritte Bandkollege Marcey Taylor, dessen Stimme sich in „Worldwide“ fast genauso anhört. Dass sieben der 16 Tracks von Gastsängern stammen, hatte man nicht erwartet. Die sich festigende Freundschaft mit der Country-Musik ist eine Sache, aber muss Bright Eyes-Frontmann Oberst nun solo auch noch die Vocals an die Gastband abtreten?
Conor und seine Freunde wandeln auf „Outher South“ weiter auf den Pfaden des Folks, Songwritertums und - wie auf dem selbstbetitelten Debüt der neuen Oberst-Ära - des Countrys. Doch die Symbiose aus melancholischer Songwriter-Stimme und rhythmischem Geklimper geht nur bedingt auf.
Zu den besseren Stücken zählen die mit schlichter Instrumentalisierung, wie „I Got The Reason #2“ mit seinem Elektropiano oder das getragene "To All the Lights In The Windows". Fern davon musiziert die Begleitkapelle ein wenig zu ausgiebig. Der Querschnitt klingt einheitlich folkig und lahm, sowohl in rhythmisch-melodischen, als auch in den getragenen Stücken. Die E-Gitarren und Obersts weniger liebliche Stimme in „Roosevelt Room“ verhelfen der Platte zu ein wenig rockiger Abwechslung.
Dass auch sein lyrisches Talent an Qualität eingebüßt hat, beweisen ständige Wiederholungen in „Slowly (Oh So Slowly)“ oder dem Gitarren lastigen „Ten Women“. Gerade weil man um seine Gabe weiß, wäre ein Album, das in seiner Gesamtheit überzeugt, wünschenswert. Stattdessen muss man sich mit einzelnen Perlen begnügen. Was „Milk Thistle“ auf „Conor Oberst“ schaffte, heißt dieses Mal „White Shoes“. Der Track fällt deshalb aus dem Einheitsbrei, da Oberst auf weitere Instrumentalisierung verzichtet und schlicht mit Akustikgitarre agiert. Er erinnert an seine Tage als charismatischer Weintrinker, der juvenil sein Leid klagt.
Weniger Country, keine inspirierenden Reisen nach Florida und Mexiko sowie reduzierte Euphorie - Gedanken an die Zeiten der Bright Eyes sind beim Auflegen von „Outer South“ fast unvermeidlich. Doch auch, wenn man sich damit abfindet, dass Herr Oberst jetzt erwachsen ist, bleibt der Wunsch, dass nicht fremde Stimmen statt der seinen durch die Boxen tönen.
Jasmin Hollatz
kulturnews.de
Im Herbst 2008 überraschte Conor Oberst die Bright-Eyes-Fans mit einem grandiosen Soloalbum, jetzt lässt er 16 neue Songs folgen. Was sich bereits auf der Tour andeutete, als Oberst das Mikro gerne mal den Mitgliedern seiner Band überließ, setzt sich nun auch auf CD fort: Neben den Kompositionen des Chefs und mehreren Kollaborationen schafften es auch je zwei Songs der Gitarristen Taylor Hollingsworth und Nik Freitas sowie Schlagzeuger Jason Boesel aufs Album. Obersts Bescheidenheit ist löblich, und tatsächlich bedeuten die Beiträge der Kollegen keinen qualitativen Abfall: "Outer South" ist ein sehr gutes Americana-Album - doch von Conor Oberst erwartet man einfach mehr. Übersongs und die ganz großen emotionalen Momente fehlen. Allenfalls sind da noch "I got the Reason #2" und die sehr schöne Ballade "White Shoes", doch auch sie sind schwächer als fast jeder Bright-Eyes-Song. Als Gegenmaßnahme muss Oberst gar nicht unbedingt sein altes Bandprojekt reaktivieren. Er könnte sich auch mit dem Songwriterkollegen Ryan Adams eine Schublade teilen - damit sie nicht jede Idee sofort veröffentlichen müssen. (cs)