...ist diese Scheibe, auch wenn Sie vielen eingefleischten ,Obristen' vielleicht schon zu kommerziell, und nicht introspektiv genug ist. Die Bandbreite die hier die Mystic Valley Band mit Oberst's songs abdeckt ist schon enorm. Parallelen zu Neil Young (selten) oder zu Bob Dylan (öfters) in den späten 60ern rauszuhören ist nicht nur nicht schwer, sondern liegt bei Oberst ja auf der Hand, dass man sich hier aber auch an Punkrock (,Roosevelt Room'), an the Clash (,Air Mattress', Cabbage Town') und vor allem an Elvis Costello & The Attractions erinnert fühlt, geht sicher auf das Konto der Band, die sich so einen klassisch zeitlosen Sound zurechtgezimmert hat, der zwar nicht innovativ, dafür aber immer passend klingt. Überhaupt diese Band: die klingen hier so als ob Sie schon seit einem halben Jahrhundert zusammenspielen würden, so selbstverständlich wie hier mit Dynamik, fills und Arrangements umgegangen wird. Aber auch für die Oberst Puristen, die so den verletzlichen einsamen jungen songwriter mit der Gitarre mögen gibt's hier mit ,White Shoes' eine Perle, die zeigt wie emotional und erfgreifend eine Stimme und eine Gitarre alleine doch klingen können.
Irgendwie ist dieses Album die Fortsetzung von Ryan Adams Meisterwerk ,Gold', an das er später nie so ganz anschliessen konnte, und vom Konzept (ein sing-a-song-writer und eine Band) drängen sich natürlich Neil Young & Crazy Horse auf, nur klingt das hier nicht so monochrom wie die meisten der Young/Horse Platten. Nicht falsch verstehen, die waren natürlich großartig, aber das hier ist arrangementmäßig viel ausgetüftelter, dafür aber nicht so roh. Ja und was das songwriting angeht, durch das diese Platte vor allem besticht: es ist wahrscheinlich sehr schwer im Moment jemanden zu finden, der Oberst - vor allem mit dieser Band als Co-Authoren - das Wasser reichen kann - auch nicht der übermächtige Dylan. Beispiel gefällig? Man höre sich nur mal 'Worldwide' an...