Und keineswegs liegt der Grund dafür etwa darin, dass "Satisfaction", "The Last Time" oder "Play With Fire" (alles nicht nur bekannte, sondern auch wunderbare Songs), die aber ohnehin nur auf der US-Version zu hören sind, Teil dieser Dekade sind.
So bissig und aggressiv (in einem positiven Sinne) haben die Stones bis dahin noch nie geklungen. Es scheint tatsächlich so, als wäre dem genialen Songwriter-Gespann Jagger/Richards endlich endgültig der Knopf aufgegangen!
Zwar hat man es noch nicht vollends geschafft, den Blues endgültig für sich zu gewinnen und eigene schwergewichtige Kaliber wie auf den späteren BEGGARS BANQUET und Co. (ab 1968) zum Leben zu erwecken, aber als groovige Rock 'n' Roll Band werden die Steine auf OUT OF OUR HEADS ihrem Namen mehr als gerecht.
Schon der Start mit "She Said Yeah" (einer von noch mehreren Cover-Versionen übrigens) ist sensationell!
Mit Songs wie "Mery, Mercy" und "That's How Strong My Love Is" unterstreichen Jagger und Co. zusätzlich ihre - über die Jahre perfektionierte - Fähigkeit, bereits vorhandenes Song-Material authentisch wiederzubeleben. (Nur der US-Vorgänger 12x5 ist diesbezüglich insgesamt vielleicht noch beeindruckender!).
Und, wie gesagt: Auch die Eigenkompositionen zünden endlich. "Heart Of Stone" und vor allem das unwiderstehliche "I'm Free" zeigen deutlich, dass die STEINE reif waren, um nach den STERNEN zu greifen!
Konzeptalbum ist OUT OF OUR HEADS keines, was aber einfach daran liegt, dass es so etwas zu dieser Zeit (wir schreiben das Jahr 1965) eigentlich auch noch nicht gab. (Erst mit dem vielgerühmten SGT. PEPPERS... (1967) der Beatles wurde dieser Kunstform Tür und Tor geöffnet.)
Noch stand es an der Tagesorndung tüchtig Singles zu produzieren. Und für eine Song-Sammlung ist die Platte erstaunlich gut und stimmig konzipiert worden! Ich bin ja sogar der Meinung, dass die UK-Ausgabe - eben ohne die drei zuvor erwähnten allseits bekannten Hits - insgesamt stimmiger und in sich geschlossener geworden ist, als die US-Version, die auch die Singles beinhaltet. Die aus heutiger Sicht sehr eigenwillige Veröffentlichungspolitik der Alben ist auf die damalige Vormachtstellung der Singles zurückzuführen. Ich glaube, bis zu einschließlich BETWEEN THE BUTTONS (1967) gab es jeweils (mindestens) eine britisch-europäische UK-Version eines Albums sowie eine US-Ausgabe für den amerikanischen Markt (die zum Kaufanreiz eben meist zusätzlich auch mit den Hit-Singles bestückt waren, leider aber manchmal zum Leidwesen einiger echter anderer Stones-Perlen).
Tipp zwischendurch: Als neuer Stones-Sammler würde ich grundsätzlich zu den UK-Versionen greifen. Mit dem Zusatzerwerb der Singles-Collection THE LONDON YEARS (siehe amazon!), hat man dann praktisch auch alle Hit-Singles (plus B-Seiten) mit einem Schlag in seine Sammlung integriert. Ich persönlich habe im frühen Abschnitt meiner Stones-Chronologie einen Mischmasch aus US-UK-Platten zusammengekauft, weshalb ich einige Singles nun doppelt besitze...
Mag sein, dass OUT OF OUR HEADS ein wenig kurz geraten ist. Aber man kann die Scheibe ja wieder (und wieder) hören...
Fazit: Obwohl schon die beiden Vorgängeralben (vor allem, wie gesagt, das wünderhübsche 12x5 (ist aber eine US-Ausgabe!)) immer wieder zeig(t)en, welch feines Gespür die Stones für die Interpretation von Musik an den Tag legten (auch ein paar sehr gute Eigenkompositionen sind da schon dabei), gelang ihnen - meiner Meinung nach - mit OUT OF OUR HEADS erstmals endgültig der große Durchbruch! Erst BEGGARS BANQUET (1968) sollte wieder einen ähnlichen Quantensprung in der Geschichte der Rolling Stones markieren, als die Band ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Zugang zu Country und Blues entdecken sollte...
Also: OUT OF OUR HEADS ist ein Musthave für alle Musikinteressierten und ein wahrer KLASSIKER der Rockgeschichte!