So richtig will der Funke bei diesem Jennifer Rush Album nicht auf mich überspringen. Es ist das einzige Album von ihr, bei der mir die Einordnung etwas schwerfällt. Nach dem ersten Hören hat man zunächst die Coverversionen im Gedächtnis, die von Frau Rush ordentlich dargeboten werden und mit den Originalen durchaus mithalten können. Die wirklich neuen Titel wirken dagegen etwas fad oder brauchen einige Durchläufe um zu überzeugen und so drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass die eigenen Ideen z.T. nicht so toll sind und man die alten Klassiker braucht um das Album noch rauszureißen.
Tears in the rain - Jennifers Stimme passt viel besser zu dieser Ballade als die von Robin Beck im Original. Sie macht aus "Tears in the rain" einen gefühlvollen und megastarken Song. Gesanglich in Höchstform, lässt Frau Rush das Original ziemlich blass wirken.
Out of my hands - Mit flottem Disco-Rhythmus ist dieser Titel unterwegs. Die Melodie ist eingängig und schön. Stimmlich ist Jennifer hier nicht so gut, da reißt's auch der hohe Stimmpart im Refrain nicht raus, im Gegenteil, der wirkt etwas deplatziert und nervig.
In the arms of love - Das kann Jennifer nach wie vor am besten: eine gefühlvolle Ballade aus dem Hut zaubern, bei der man in's Schwärmen und Träumen gerät. Super.
Fortress - Etwas farblos schleicht sich dieser Poptitel dahin. Der Sound und Rhythmus ist nichts Halbes und nichts Ganzes, der Chor im Refrain wirkt gelangweilt: Irgendwie alles so la la. Einziges Highlight ist Jennifers Stimme im finalen Refrain.
Shocked - Bei "Shocked" läuft der Rhythmus wieder etwas flotter, der monotone Bass drängt sich ein wenig auf und so wirkt die Stimme der Sängerin etwas im Hintergrund. Die Melodie ist o.k., der Titel kein Highlight, aber auch kein Ausfall.
Who wants to live forever - Hier hab ich mir die Frage gestellt: Darf man einen so außergewöhnlichen Klassiker covern? Da der Komponist Brian May hier auch mitwirkt geht das wohl in Ordnung. Und die beiden singen wirklich großartig und gefühlvoll, und der dramatische Orchester- und E-Gitarrensound macht aus diesem Titel ein Highlight des Albums.
Untouchable - Nach dem vorherigen Song wirkt diese Ballade ziemlich fad, fast hat man das Gefühl das ein wenig die Luft raus ist.
Only heaven knows - Das ist doch mal ein richtiger Hammersong. Mit leicht rockigem Sound und einer überragenden Jennifer hat mich der Titel sofort überzeugt. Hier ist ein ziemlicher Kontrast zwischen den Strophen (eher ruhig und gelassen) und dem Refrain (aufgedreht und rockig) zu hören, das macht den Titel so geil.
Crazy 'bout you - Das versteh ich unter Easy-Listening-Pop. Flotter eingängiger Sound und eine eingängige Melodie. Jennifers Stimme kann hier nicht so überzeugen. Der Titel nutzt sich auch relativ schnell ab und wirkt dann langweilig.
Cry, baby ... - Das schöne E-Gitarren-Sample am Anfang (und im Zwischenteil) kann den Titel nicht wirklich retten. Der Song wirkt durchschnittlich, gewöhnlich und ist zudem noch relativ gelangweilt vorgetragen.
Nights in white satin - Ich weiß nicht wie oft dieser Titel schon gecovert wurde. Doch hier macht es durchaus Sinn, die Melodie ist perfekt für Jennifers Stimme gemacht. Der Sound wurde wunderschön mit Akustikgitarre und Orchester arangiert, und so bildet diese gefühlvolle Ballade einen perfekten Abschluss des Albums.
So richtig konnte ich mich nicht zwischen 3 und 4 Sternen entscheiden. Ich hab dann 4 gegeben, aus alter Verbundenheit mit Jennifer Rush und aufgrund der Tatsache, dass hier auch kein Totalausfall zu hören ist. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier eher um ein schwächeres Album von Frau Rush handelt.