Jenseits von Liebe, Schmerz, Wahnsinn und Zerfall; doch stets mitten in der Tragödie: Mister Heavenly toben sich in der Pop-Historie aus und begeistern damit in guten Momenten. Eine Band, deren Mitglieder normalerweise in so namhaften Gruppen wie Modest Mouse, Man Man, The Shins, Islands oder The Unicorns aktiv sind, bettelt geradezu darum, von der ein oder anderen Seite die Bezeichnung Super-Group" (des Indie-Rock) angedichtet zu bekommen. Eine seltsame Bezeichung, da die Besetzung nicht mit Kalibern wie Them Crooked Vultures zu vergleichen ist und gleichzeitig eine Bürde, mit der Mister Heavenly jedoch beinahe spielerisch umgehen. "Out Of Love" heißt nun das erste Lebenszeichen unter diesem Projekt-Namen. Der musikalischen Prägung aller Beteiligten entsprechend, hört man auf diesem folgerichtig eine Melange aus kratzbürstigem Indie-Rock, einem bunten Strauß aus 60s- und 70s-Pop/Rock sowie einer Prise Überdrehtheit. Bei letzterem denkt man natürlich sofort an Modest Mouse, die in dieser Hinsicht mit Alben wie "We Were Dead Before The Ship Even Sank" durchaus als stilprägend gelten dürfen. Eine stolze Portion Wahnsinn gehört auch bei "Out Of Love" dazu, Mister Heavenly übersetzen diesen nur in einen etwas anderen Kontext. Mister Heavenly - "Bronx Sniper" "Bronx Sniper" schleicht sich im Stile von Erland And The Carnival als psychedelisch angehauchter Opener ziemlich hinterhältig an, um dann mit gewalttätigen Lyrics und einem entsprechenden Mörder-Gitarren-Hook den Hörer gefangen zu nehmen. Ein starker Einstieg: mitreißend, clever und auf eine abgründige Art und Weise tanzbar. Nimmt man diesen Song in Kombination mit den Inlay-Fotos, beginnt man langsam eine Vorstellung davon zu bekommen, wohin einen Mister Heavenly zu treiben versuchen: sie gewähren dem Hörer Momentaufnahmen. Kurze, rätselhafte Flashbacks, die harmlos wirken, jedoch stets in der Andeutung verbleiben und damit die blinden Flecken in der Wahrnehmung betonen. Genau so funktioniert das Cover: der Mann blutend am Boden, die Frau in verzweifelter Pose und mit Messer in der Hand daneben. Doch ist dies nur der gewaltsame Endpunkt einer längeren Story, denn im Inneren vom Artwork sieht man dasselbe Pärchen turtelnd und offensichtlich verliebt. Eine Geschichte, die mit dem Ende beginnt und gar nicht so recht erzählt wird. Die einzelnen Schnappschüsse überlassen sämtliche Vorstellungen davon, was passiert sein könnte, dem Rezipienten. Mister Heavenly - "Pineapple Girl" Im vorliegenden Fall lässt sich zwischen visueller Präsentation und auditivem Inhalt auch hervorragend eine Parallele ziehen: Sinistre Szenarien und beschwingte Rock-Musik reichen sich hier die Hände und bilden eine unheilvolle Allianz. In den guten Momenten von "Out Of Love" führt diese den Hörer tanzend bis an den Abgrund – in den schlechten, und das ist der Haken, jedoch einfach nur in die Unbestimmtheit wilder Ödnis. Musikalisch ist wenig zu beanstanden: Beach Boys-Handclaps stehen wie selbstverständlich neben verzerrten Gitarren; der Gesang bleibt durch Personal-Rotation stets spannend und unvorhersehbar und wie man einen anständigen Pop-Song schreibt, das haben diese Herren sowieso raus. Dem Ganzen verpasst man, etwa bei "Pineapple Girl", dann noch einen inzwischen konsensfähigen Geek-Anstrich und fertig ist die Ursuppe des verkopften Indie-Rock. Mister Heavenly - "Mister Heavenly" Rätselhaft nur, dass "Out Of Love" trotzdem etwas fade wirkt. Die Ideen gehen den Protagonisten eigentlich über die gesamte Spielzeit nicht aus, sicherlich auch deshalb, weil diese mit etwas über einer halben Stunde knackig gehalten ist. Doch haben einige Songs wie "Doom Wop" in etwa den Unterhaltungswert einer vorbeiziehenden Zirkus-Karavane mit ihrer gerade noch genießbaren, kurzweilig unterhaltenden Dosis Exotik. Für den Moment klappt das mit der Hörer-Begeisterung dann durchaus gut, doch will sich nicht wirklich das Gefühl von Tiefe einstellen, welches die Vielschichtigkeit der Musik evozieren möchte. So unglaublich catchy vieles ist – man höre sich nur "Charlyne" an – gibt es immer auch diese subtilere, gefährlichere Dimension in den Songs, die unter dem Strich jedoch eigentlich nur verwirrt. Ungeachtet dessen, dass es vielleicht beabsichtig ist, beraubt sich "Out Of Love" leider manchmal selbst seiner herausragenden Retro-Rock-Verspieltheit. Keine überragend neue aber in jedem Fall starke und unterhaltsame Version des Indie-Rock.
Produktbeschreibungen
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