"9 out of 10 climbers make the same mistakes" füllt eine echte Lücke unter den Kletterlehrbüchern und ist in seiner Form einzigartig und (zum richtigen Zeitpunkt gelesen) hilfreicher als jedes andere Lehrbuch. Es richtet sich an Kletterer, die die Grundlagen hinter sich haben (die wissen, wie sie Maximalkraft trainineren, was Periodisierung heisst oder wie man Expressen einhängt), die aber dennoch auf einem Leistungsplateau stagnieren. Es unterscheidet sich schon im Ansatz von anderen Kletterfibeln, da es keine möglichst vollständige Aufzählung von Trainingsmöglichkeiten enthält, sondern eine möglichst klare Aufzählung der gängigsten Fehler und Fehlkonzepte. Der Autor ist ein sehr guter Beobachter und geübt darin, Kletterer zu analysieren, und zu erkennen, warum Leute nicht so gut/schwer klettern, wie sie gerne möchten und könnten.
Ein Grundsatz dabei ist (und das soll der Affe am Titelbild symbolisieren), dass viele Kletterer Kraft und Krafttraining überbetonen und dabei andere - deutlich stärker leistungshemmende - Faktoren ausser Acht lassen, wie etwa Sturzangst. Das klingt in dieser kurzen Zusammenfassung banal, wer aber den Teil über die "Angst vor dem Versagen" gelesen hat und sich bei wenigstens drei bis vier typischen Symptomen erwischt gefühlt hat, weiss, was gemeint ist.
Der bloghafte Aufbau und die recht lose Strukturierung in einige Hauptkapitel entsprechen recht gut der Grundhaltung des Buches, kein Nachschlagewerk sein zu wollen. In jedem Fall bringt das Buch einen dazu, sein Klettern zu reflektieren und seinen Blick auf das, was so unternimmt, um "besser zu klettern" etwas zu weiten.