Stellvertretend für eine Serie von ELO-Alben (von Eldorado bis Time), möchte ich hier das 1977er Herzstück dieser grandiosen Phase des Schaffens von Jeff Lynne und seinen Mannen huldigen. Was speziell Jeff Lynne in dieser Phase und mit diesem Album geleistet hat, ist kaum in Worte zu fassen (bin selber so ne Art Musikproduzent und weiss wovon ich rede). Der Mann komponiert und textet alles, ist Produzent, spielt alle Gitarren, ist Lead-Sänger, macht die meisten Backings und arrangiert im wesentlichen auch die Orchestral Arrangements. Lynne verstand es, in seinen hochwertigen Kompositionen Elemente aus Rock, Pop, Romantik, Klassik, Effekt- und Synthetischen Sounds zu verschmelzen und dabei immer den Blick für den Song und das Album als Ganzes zu behalten. Besonders die Streicher- und Choral-Elemente dienen ausschliesslich den Songs und verhelfen ihnen zu besonderer Güte. Nie hat man das Gefühl, es geht hier nur darum, einen auf Classicrock zu machen, damit es halt so klingt. Immer steht das Ganze im Vordergrund.
Erstaunlich ist das bei den schnellen Tracks wie Turn to stone, Sweet talkin woman und Across the Border, die gehen trotz Streicher richtig gut ab. Lynnes eigentliche Spezialität sind seine Balladen, hier bekommt man das ganze ELO-Vollwaschprogramm an Melodik und ausgefeilten Harmonien in genialem Soundgewand. Nach der bombastischen Einführung durch Believe me now ist Steppin out das erste Beispiel (wunderbar, was die Streicher hier spielen), spätestens Big wheels ist dann einfach nur noch purer Genuss und zu dem Final-Track Wild west hero findet sich ohnehin kaum Vergleichbares (vielleicht Music von John Miles??).
Out of the blue bietet zudem einige Kunstwerke, die sich nicht so leicht einer Sparte zuordnen lassen. It's over und Standing in the rain zum Beispiel und ' na klar ' Mr. Blue Sky, schon mal was Vergleichbares gehört? Da ist doch alles drin, was geht.
Jungle ist mein Drop-out-Track, The whale und Birmingham Blues fallen für mich auch etwas ab, aber kein Problem bei einer Spielzeit von über 70 Minuten. Alles andere ist perfekt, diese Quote kann sich wahrlich sehen lassen. Super auch die Bilder im Booklet, allen voran das von Jeff the Chef, der sich ja sonst gerne hinter Sonnenbrillen versteckt.
Lynnes wohl wichtigste Helfer sind der geniale Keyboarder Richard Tandy, der in den Credits ein Sonderlob erhält und natürlich Wundergeiger Mik Kaminski, der wie ein Uhrwerk die teils atemberaubenden Arpeggios von der Leine lässt. Drummer und Bassist haben bei ELO bekanntlich einen eher lauen Job ;-) (gilt aber eher für die Vorgängeralben), zudem gibt's noch zwei Leute am Cello.
Hier kurz, was mir sonst noch von ELO gefällt:
Bereits vor dem 74er Album Eldorado gab es schon geniale Werke wie z.B. From the sun to the world, Ocean Breakup, New world rising, Daybreaker und 10538 Overture.
Eldorado: Das Album ist in meinen Ohren ein wunderbar mystisches Gesamtkunstwerk.
Face the music: Erste kommerzielle Ansätze und tolle sentimentale Atmo in Songs wie Fire on high und One Summer dream.
New world record: Noch nicht ganz so perfekt wie Out of the blue, aber auf dem besten Wege dahin mit tollen zeitlosen Tracks wie Living thing (laut einer Umfrage in GB der offiziell nervigste Song aller Zeiten im Sinne von jeder hat ihn, jeder hört ihn und keiner will es zugeben), der Mega-Ballade Telephone-Line, der wunderbar feinfühlig arrangierten Ballade Shangri-La und Hammer-Opener Tightrope.
Nach Out of the blue legte ELO auf dem Gipfel des Ruhmes mit Discovery einen weiteren Megaseller auf den Ladentisch, schon sehr kommerziell, aber immer noch voller Qualität und Ende der 70er fast schon penetrant erfolgreich, nicht zuletzt, weil durch das Xanadu-Projekt noch weitere vergleichbare Hits den Markt überschwemmten.
1980 erschien das Album Time, mit Licht und Schatten. Die Intro aus Prologue und Twilight ist ein absoluter Hammer, 21st century man die schönste Ballade des Albums. Here is the news wäre eigentlich eine geniale Pop-Nummer, hätte Lynne nicht den Refrain vergessen. Epilogue erinnert noch ein letztes mal an das alte ELO, nun denn, after Time verliessen sie ihn dann (die Songs den Jeff). Teilweise interessant ist dann erst wieder das 2001er Album Zoom, praktisch ein Soloalbum von Lynne.
Kleiner Gag noch am Rande, den Titel Midnight Blue von Discovery würde ich gern mal in einer Boygroup-Fassung (a'la BSB früher) mit den ihr typischen Schmachtgesängen hören, die Mädels würden reihenweise umkippen. Natürlich wäre mir das Original aber jederzeit lieber.