Eines bemerkt man bei der Lektüre dieses Hefts sofort: Nerthus von Norderney hat keinerlei Interesse daran, den Leser zu bevormunden oder ihm ihre eigene Meinung aufzudrängen. Statt dessen beschreibt sie auf sachliche und neutrale Weise den Umgang mit dem Ouija-Board, wobei sie sowohl auf die schönen als auch die weniger attraktiven Aspekte dieser Technik eingeht. Nerthus von Norderney gibt dem Leser auf unaufdringliche und angenehm-informative Weise die Verantwortung für sein Handeln zurück, indem sie alle Seiten, die der Praktizierende kennen muß, schildert, aber jedem Leser selbst überläßt, auf welche Weise er sich diesem Thema in Zukunft nähern will. Genaugenommen handelt es sich bei der Broschüre um eine Gebrauchsanweisung, die alles enthält, was man braucht, um effektiv und erfolgreich mit dem Ouija-Board umzugehen, und zwar von der allerersten Sitzung an. Sogar Anweisungen zur eigenen Herstellung eines solchen Bretts finden sich, was in Anbetracht der teilweise überraschenden Summen, die so manches Esoterikgeschäft für ein Stück Kiefernholz mit ein paar Buchstaben darauf haben will, eine echte Alternative darstellt. Darüber hinaus beschreibt Nerthus von Norderney in diesem Abschnitt auch Herstellungsvarianten, die selbst Menschen mit zwei linken Daumen und ohne Stichsäge gelingen dürften. Insgesamt ist ihr Umgang mit diesem Thema tabu- und kompromißlos, was dieser oftmals sehr verstaubt daherkommenden Sache eine herzhafte Frische verleiht. Schade ist nur, daß die Autorin sich nicht etwas mehr Zeit und ein paar zusätzliche Seiten genommen hat, um auf viele ihrer so doch sehr kompakten Aussagen näher erklärend einzugehen. Ich hätte mir für viele der klaren Anweisungen auch Begründungen gewünscht, um zu verstehen, warum ich etwas tun oder lassen soll - das gehört meiner Ansicht nach dazu, die Verantwortung für mein Tun zu übernehmen. Die Autorin weist diesbezüglich zwar auf die Bücher Allan Kardecs hin und erklärt, diesen sei nichts mehr hinzuzufügen; dennoch bin ich der Ansicht, daß Kardec alleine schon aufgrund seiner Sprache - die Werke sind immerhin über 150 Jahre alt - nicht unbedingt einen idealen Einstieg für die oft sehr jungen Menschen bietet, die sich erstmals mit dem Ouija-Board auseinandersetzen. Auch wurden diese Bücher vor einem moralischen Hintergrund sowie einem Gesamtweltbild geschrieben, den bzw. das wir heute nicht mehr unbedingt teilen. Eine Neuerabeitung durch eine erfahrene Autorin wäre also durchaus wünschenswert gewesen. Darüber hinaus sind manche Aussagen in diesem Heft nicht nur provokant, sondern auch mißverständlich, was vielleicht nicht der Fall wäre, wenn sie mehr Raum für Erläuterungen erhalten hätten.