Man fragt sich, warum der Autor nicht einfach nur einen Lebenslauf Otto Schilys abgedruckt hat. Das wäre weniger Arbeit für ihn gewesen, und den Lesern wären so einige Ärgerlichkeiten erspart geblieben, die dieses Buch birgt. Weshalb, fragt man sich weiter, schreibt ein Autor, dem es anscheinend nicht möglich war, sich in die Person, die er portraitiert, hineinzudenken, überhaupt eine Biographie über diese Person; eine biographische Darstellung zudem, die so wirkt, als sei sie aus mehreren Zeitungsartikeln einfach zusammengezimmert? Das Buch ist teilweise unglaublich schlecht geschrieben, umgangssprachliche Ausdrücke treffen auf Sprachklischees, und triviale Adjektive sollen wohl eine eigene Meinungsbildung bei den Lesern unterbinden. Diese treffen dann beispielsweise auf solche Charakterisierungen wie die von Jutta Dittfurth, die der Autor als „eine Art Ulrike Meinhof ohne Molotow-Cocktails" beschreibt. Was will er uns damit bloß sagen?
Weder Otto Schily noch die Zeitgeschichte sind nach der Lektüre näher gerückt. Der Autor hat mehrfach die musikalische Begabung Schilys, dessen Liebe zu Italien, sowie dessen stets tadellose Manieren nebst gut sitzender Krawatte gepriesen. Und sich ansonsten darüber gewundert, was dieser Mensch je bei solch ‚linken Chaoten mit selbstgestrickten Wollpullis' (oder ähnlich) zu suchen hatte. Willkommen im Ressentiment.