Kurzbeschreibung
Kaum eine Austellung zur Kunst- und Architekturgeschichte der 20er und 30er Jahre verzichtet heute auf die Präsentation von Entwürfen des Berliner Architekten Otto Kohtz (1880-1936). Neben einigen Berichten in zeitgenössischen Architekturzeitschriften gibt nur das in kleiner Auflage 1930 erschienene Buch von Reiner Hegemann, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Architekturkritiker, einen Einblick in das Schaffen des Künstlers. Die einem fließend-vegetabilischem Jugenstil, einem üppigen Klassizismus und expressiven Gestaltungen verpflichteten Formen versuchte Kohtz als kunstvollen Anteil in seine Bauten einzubinden. Der sich abzeichnenden funktionalen Nüchternheit im Industriebau setzte er, mit und auch gegen Peter Behrens, mit dem Elektrizitätswerk in Schöneberg (1907) expressive Monumentalität des Sichtziegelsbaues entgegen. Das Pathos eines gewichtigen Klassizismus prägt die Verwaltung des Bundes der Landwirte in Berlin (1912). Kohtz blieb sein ganzes Leben, wie kein anderer deutscher Architekt, von Hochhäusern fasziniert. Mit Entwürfen von Pyramiden, Türmen und gestaffelten Anlagen versuchte er, restriktive Baugesetze und die ästhetischen Probleme einer Schichtung immer gleicher Geschosse zu vereinbaren. Von weitestem Echo waren dabei seine Vorschläge in den 20er Jahren, Regierungsbehörden nahe dem Reichstag, in einem Hochhaus unterzubringen. Mit dem Pressehaus für Hugenbergs Scherlverlag konnte er in Berlin eine Geste von architektonischer Imposanz und konservativen Machtanspruchs in Angriff nehmen. Hier gewann er die Verbindungen, die ihn seit den späten 20er Jahren eine Vielzahl von Aufträgen für die Ufa-Studios in Babelsberg und Tempelhof sicherten. Der für Deutschland neuen Bauaufgabe verlieh Kohtz durch strenge Symmetrie der Gesamtanlagen Würde, wobei in der Gestaltung Funktionalität und Rationalität des modernen Mediums gespiegelt erscheinen. Kohtz vertrat die Architektur einer konservativen Moderne, mit der er gefährdete Wege beschritt.