Über Otto Klemperer gibt es nicht wirklich umfängliche Literatur. Umso erfreuter war ich über das Erscheinen dieses Buches, dss sich aber leider als zu dünn herausstellt. Dies aus gleich mehreren Gründen. Der erste liegt direkt auf der Hand. Erst in der Einleitung erfährt man, dass nur die Zeit bis zum Dritten Reich eingehend dargestellt werden soll. DAS wiederum lässt mich kritisch fragen, warum eine solche Einschränkung nicht gleich auf dem Umschlag oder im Titel vermerkt ist. Schließlich heißt es im Titel, "ein deutsch-jüdisches Künstlerleben". Endete dies mit dem Exil in Amerika?
Und mit diesem Exil in Amerika endet auch der erzählte Inhalt dieses Buches mehr oder weniger. Zwar gibt es noch ein paar Zeilen über die Zeit nach 1945 mit einigen Andeutungen über EMI, Legge und die Plattenaufnahmen, doch wird dann abrupt übergeleitet in einen Abschnitt mit Briefen und einigen Meinungen über den großen Dirigenten. So endet dieses Buch unvermittelt und sang- und klanglos.
Bis dahin jedoch ist das Leben des großen Klemperer zwar erzählt, doch irgendwie auch nicht erzählt. Es wird berichtet über die äußeren Umstände seines Lebens, seine Leistungen, seine Arbeit - doch irgendwie eben nicht über die inneren Zusammenhänge. Es wird nie erklärt, worin Klemperers Psychosen bestanden, warum er so oft depressive, aggressiv oder auch ausfallend wurde. Es werden keine Erklärungen der Hintergünde seines Handelns gegeben. Es wird immer berichtet, das zwar mit großer Akribie - doch nur selten wird gedeutet. So wird der große (für mich persönlich wohl größte) deutsche Dirigent des 20. Jahrhunderts zwar beschrieben, doch zum tiefen Verständnis seiner Person und seines Handelns wird leider zu wenig beigetragen.