Otto Hahn: Der berühmte Chemiker ist vielen Menschen nur als Entdecker der Kernspaltung bekannt. Dass seine Persönlichkeit wesentlich mehr Facetten aufweist, und welch bewegten Lebensweg Hahn hatte, zeigt dieses hervorragende Buch in spannender und gut verständlicher Weise auf.
1879 in Frankfurt/Main geboren, studierte Hahn in Marburg Chemie. Fortbildungsaufenthalte in London bei Ramsay und in Montreal bei Rutherford führten ihn zu seinem großen Forschungsgebiet: der Radioaktivität. Er ging an die Berliner Universität, wo er zunächst ein behelfsmäßiges "Labor" bekam. Bald erhielt er eine Professur - und Lise Meitner als Teamkollegin, mit der er über Jahrzehnte erfolgreich forschen sollte.
Mit Ausnahme des Ersten Weltkriegs zeigt sich nun eine Jahrzehnte währende Konstanz an der Spitze der internationalen Forschung.
Das Dritte Reich, mit ihm die Verfolgung und Emigration vieler jüdischer Kollegen einschließlich Lise Meitners, machte den zuvor indifferenten Hahn zu einem politischen Menschen. Er unternahm immer wieder Akte des passiven Widerstands. Unter Beteiligung Meitners entdeckte er mit Fritz Straßmann die Kernspaltung. Die Nazis zogen ihn mit anderen Größen wie Heisenberg, v.Laue und v. Weizsäcker zum Bau ihrer Atombombe heran, zu der es bekanntlich nicht einmal annähernd kam. Nach dem Krieg erhielt Hahn große Ehrungen wie den Nobelpreis, aber er wurde auch angefeindet; es hieß, er habe den Amerikanern seine Forschungsergebnisse verraten und ihnen so die Atombombe "gegeben".
Hahn selbst war zutiefst erschüttert über das, was in Hiroshima und Nagasaki geschah, und über den grauenvollen Rüstungswettlauf der folgenden Jahrzehnte. Zusammen mit anderen bekannten internationalen Forschern stellte er sich seiner Verantwortung und initiierte mehrere Aufrufe gegen die atomare Aufrüstung. Der Autor geht ausführlich auf diese Aktionen und ihre Hintergründe ein, sodass Hahns Integrität sehr gut sichtbar wird. Mir gefällt auch, dass andere Forscher, die Hahns Lebensweg säumen, ebenfalls kurz "skizziert" werden. Die Erkenntnis der politischen Verantwortung des Naturwissenschaftlers zieht sich klar durch Hahns Leben - das geht aus anderen Biografien nicht recht hervor.
Das Buch ist auch in jeder anderen Hinsicht hervorragend gemacht - hervorgehoben seien noch die vielen interessanten Fotos und Abbildungen und die insgesamt sehr sorgfältige Verarbeitung. Absolut lesenswert und auch oder gerade heute sehr wichtig.