Ich hatte mir das Buch in der Hoffnung gekauft, darin mehr über die Echtheit des häufig umstrittenen "Tagebuches der Anne Frank" zu erfahren. Denn das Buch handelt von Annes Vater, Otto Frank, der die Tagebücher seiner Tochter, die kurz vor Kriegsende im KZ Bergen-Belsen an Typhus verstorben war, herausgegeben hat. Leider ist das Buch zu diesem Thema wenig erhellend. Zum Beispiel wird nur mit einem einzigen - zudem nichts sagenden - Satz auf die Untersuchung des Bundeskriminalamtes eingegangen, deren Ergebnis das Wochenmagazin "Der Spiegel" (Heft 41/1980) zu umfangreichen Fälschungsvorwürfen veranlasste. (Ich selbst hatte vor Jahren in dieser Angelegenheit bei der Anne-Frank-Stiftung nachgefragt und erhielt nur die dürre Antwort, "Der Spiegel" habe zwischenzeitlich seine Vorwürfe zurückgezogen.) Auch sonst ist das Buch trotz einer Unmenge von Fakten eher verwirrend als erhellend. Zeiten, Orte, Szenen und Personen wechseln ständig, ein systematisches Konzept ist nur schwer auszumachen: eher flotter journalistischer Schreibstil als ernsthaftes Sachbuch - oder gar eine wissenschaftliche Abhandlung. Es gibt zwar ein Personenregister, das aber ziemlich unvollständig ist. Ein Sachregister fehlt in der fast 500-seitigen Publikation völlig - ein Unding ! Das Inhaltsverzeichnis ist nur sehr grob gegliedert und die wenigen und zudem kaum aussagekräftig betitelten Unterkapitel-Überschriften haben weder eine Seiten-Referenz noch finden sie sich überhaupt im Text wieder. Summa summarum: unterhaltsam zu lesen, aber für eine sachorientierte Beschäftigung mit dem Thema eher verwirrend als erhellend.