Jemand hat einmal den Vergleich mit der Hörspielfassung von "Herr der Ringe" bemüht und das war auch mein erster Gedanke, als ich in "Otherland" eintauchte. Wenn ich schon vergleichen muss, dann mit dieser Mega-Produktion des WDR. Tad Williams`"Otherland" ist, übrigens genau wie der "Herr der Ringe", ein Universum in sich, eine Welt, so exotisch, anders, erschreckend, brutal und erstaunlich, dass es dem Zuhörer den Atem raubt. Die erste Garde deutscher Sprecher wurde verpflichtet, u.a. Ernst Jacobi (der auch das Telefonbuch von Berlin zum Ereignis machen würde), Hans-Peter Hallwachs (die Allzweckwaffe bei Hörspielproduktionen) und Peter Matic (die ewige "Ghandi"-Stimme). Die drei Namen nenne ich hier stellvertretend, aber sie bürgen alleine schon für die überragende Qualität dieser Produktion.
Ich glaube nicht, dass ich viel zum Inhalt sagen muss. Zum einen haben andere das schon zur Genüge getan und zum anderen ist die Otherland-Tetralogie mittlerweile schon fast so ein Kult wie die Bücher von J. R. Tolkien. Vielleicht nur ein paar einleitende Anmerkungen für diejenigen, die noch nie in "Otherland" waren: Otherland ist eine virtuelle Realität, die allerdings die wirkliche Welt zunehmend in sich einsaugt. Immer mehr Kinder fallen in der Realität in ein tiefes Koma, während sie im Cyberspace gefangen bleiben. Was genau dahinter steckt, wird in 1200 Minuten offenbart und es wäre geradezu vermessen, hier eine auch nur grobe Zusammenfassung abzugeben. Otherland ist eine unglaublich komplexe Geschichte (übrigens wurden die Handlungsstränge im Hörspiel behutsam vereinfacht, um sie überhaupt darstellbar zu machen), vernetzt sowohl in der realen wie in der Cyberwelt. Man muss sehr konzentriert zuhören, was aber bei der permanent herrschenden Hochspannung das kleinere Problem ist. Irgendwann schaut man dann auf die Uhr und stellt fest, dass schon wieder Abend ist. DAS ist dann ein Problem...
Eine Sache hat mich allerdings gestört: Ich habe die MP3-Version und zumindest dort sind alle Tracks nur einfach durchnummeriert. Das ist sehr lästig, wenn man aus irgendeinem Grund mal den Anschluss verloren hat. Eine etwas ausführlichere Bezeichnung der Titel wäre bei einem so langen und komplexen Hörspiel sehr hilfreich gewesen.
Aber das ist eigentlich nur ein Schönheitsfehler. Das Hörspiel ist dagegen epochal.