Der Mohr von Venedig. So der Untertitel eines Schauspiels, welches den Erfolg eines Schwarzens erzählt, nämlich Othellos Erfolg, der unterminiert wird durch eine latente Eifersucht von Jago, der in das gleiche Mädchen, Othellos spätere Frau verliebt ist.
Was muss ein Schwarzer machen in einer Gesellschaft von Weißen? Er muss gegen seine Andersartigkeit kämpfen, er muss sich beweisen und mehr können als alle anderen, um an die Spitze zu kommen. Er, Othello, ist nicht hineingeboren in diese Gesellschaft Veneziens sondern muss sich mit seiner Minderwertigkeit auseinandersetzten und diese im Erfolg besiegen. Und nichts anderes als ein Sieg ist seine Liebe zu und seine Heirat mit Desdemona, die als Weiße und Hübsche ihm den Erfolg eines Mannes gibt. Und Jago weiß um diesen Zustand und nimmt die Schwäche Othellos als übertragene Stärke und spielt ein Ränkespiel um Eifersucht, die nicht minder seine Minderwertigkeit, gefühlt und tatsächlich darstellt, nämlich nicht die Gunst Desdemonas gewinnen zu können. Diese liebt Othello über alles und über alles muss nun Jago Othello seinerseits die Wucht der Eifersucht einpflanzen, damit Othello sich nun seinerseits in der Liebe zusätzlich minderwertig fühlen muss. Und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf. Nämlich die vermeintlich grobe Haltung von Schwarzen, nicht gesehen im Erfolg von Othello, nimmt ihn gefangen, er wird vom Schwarzen zum eifersüchtigen Neger, der sich nicht im Zaum hat. Und der auf der Höhe seiner Eifersucht nur noch in der Lage ist, Desdemona zu töten. Er tötet auch seine Eifersucht, zementiert damit seine Minderwertigkeit, hier nicht mehr als eigenes Gefühl, sondern tatsächlich als Mörder.
"Was nicht zu retten, laß dem falschen Glück,
Und gib Geduld für Kränkung ihm zurück.
Zum Raube lächeln, heißt den Dieb bestehlen,
Doch selbst beraubst du dich durch nutzlos Quälen."
Kein Rat konnte Othello helfen, er war verstrickt in die vorgestellte Wirklichkeit.
Weiterhin ist es Stück über Sein und Schein. "Ihre Taten haben Ihren Worten auch nicht zugehört" , da zeigt man sich und denkt doch anders, oder in einem seiner Sonette taucht es wieder auf "Wie Eva's Apfel wirst du sein, entspricht dein Wesen nicht dem schönen Schein."
Das Stadttheater Aachen hat den Mohr in weiß und als Weißer auftreten lassen. Deutlich abgehoben von allen anderen, herausragend, Siegertyp. Und nur in der Sprache vom Neger war klar, dass er als schwarzer Emporkömmling agierte. Und schwarz wurde er, als er Desdemona ermordete. Ein Chiasmus erster Klasse. Ohne die eigentliche Tragik zu verlieren, nämlich das Gefühl der Minderwertigkeit, wurde nur die Haltung vom Kampf um den Sieg getauscht gegen den Strudel der Eifersucht. Wunderbar. Shakespeares Othello, im November 1604 in London uraufgeführt, 400 Jahre später genau so aktuell.
Shakespeare schreibt in seinen Sonetten von eternal lines, von ewigen Zeilen, die ihn überdauern. Wie wahr! Ein Genie!
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