Nachdem ich mit Begeisterung Eva Ehleys "Frauen lügen" gelesen habe, suchte ich nach einer ähnlich fesselnden Lektüre. Warum also nicht von der Nordseeinsel Sylt zur Ostseeinsel Fehmarn wechseln? Ich stieß auf Eva Almstädts Reihe. Auch bei "Ostseefluch" handelt es sich um einen Ermittlerkrimi, der in Serie gegangen ist, allerdings ist "Ostseefluch" schon der siebte oder achte Band. Er ist flüssig geschrieben, manchmal witzig, nur selten war es mir zu langatmig (etwa wenn sicher zehnmal in fast gleicher Wortwahl wiederholt wird, was es mit dem Fluchhaus auf sich hat). Die Ermittlerin Pia Korittki erweist sich als sehr sympathische Hauptfigur, die diesmal mit dem Mord an einer jungen Frau konfrontiert wird, die aus den meisten gesellschaftlichen Zusammenhängen gefallen ist. Sie hat ihre Lehre abgebrochen, sich mit den Eltern überworfen und lebt nun auf einem abgelegenen Gehöft in einer Alternativ-Kommune. (Wobei ich mich gefragt habe: gibt es das so überhaupt noch?)
Als sie eines Vormittags tot im Gemüsegarten liegt, erinnern sich viele auf der Insel an den vermeintlichen Fluch, der auf dem Gehöft liegt. Vor über zwanzig Jahren ist hier eine ganze Familie umgebracht worden, nur das jüngste Kind hat überlebt. Lange schert sich die Ermittlerin nicht um die alten Geschichten, auch wenn es bei den Verdächtigen immer wieder um Geistesbeschwörung und religiöse Wahnvorstellungen geht. Die Spuren, die es zu verfolgen gilt, sind vielfältig und undurchsichtig, das Lesen und Mitknobeln macht Spaß. Immer wieder war ich sicher, den Täter gefunden zu haben, aber es kam dann doch wieder anders. So soll es sein!
Insgesamt kann ich den Krimi sehr empfehlen, allerdings mit zwei kleinen Abstrichen. Mir persönlich kam das Lokalkolorit zu kurz, es entstand beim Lesen überhaupt keine Inselatmosphäre. Außer einer Leuchtturmszene, die im Grunde auch überall hätte spielen können, konnte ich kein wirkliches Stimmungsbild der Insel entdecken. Es werden ein paar Surfer und Kiter erwähnt, es fallen einige Ortsnamen und viele Straßenbezeichnungen, aber ein besonderer Spirit kam nicht rüber.
Mein zweites Problem waren die vielen Rückblenden und Anspielungen. Wer alle Korittki-Krimis gelesen hat, findet das sicher lustig und interessant, aber mich hat es gestört, dass ständig Leute auftauchten, die offenbar schon mal vorgekommen sind (u.a. zwei Ermittler) und über die die handelnden Personen mehr wissen als ich.
Aber das wird Fans der Serie nicht abhalten ' vielleicht sogar im Gegenteil.
Gute vier Sterne von mir.