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Wie entsteht eine Landschaft? Nach seiner
Geschichte des Waldes und einer Landschaftsgeschichte Mitteleuropas hat sich der Pflanzenökologe Hansjörg Küster jetzt die Ostsee vorgenommen. Herausgekommen ist eine lesenswerte Natur- und Kulturgeschichte Pommerns, Skandinaviens und des Baltikums von der Eiszeit bis zur jüngsten Gegenwart.
Das Buch verbindet die Entstehung der Vegetations- und Landschaftsformen rund um das "Mittelmeer des Nordens" nicht nur anschaulich mit den geologischen Besonderheiten der erdgeschichtlich noch sehr jungen Ostsee. Es zeigt auch die intensive Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt auf. Zum einen prägt die Natur die Siedlungsmuster und Wirtschaftsweise: So setzte der Übergang von Jäger-Kulturen zum Ackerbau an der finnischen Seenplatte mit ihrem reichem Fisch- und Wildbestand viel später ein als in Südschweden oder Norddeutschland. Und auch die Seefahrt wurde -- vom bronzezeitlichen Bernsteinhandel über die Wikinger bis zu den Hansestädten -- vor allem durch die Unterschiede der Natur im Hinterland der Ostseeküsten stimuliert. Zum anderen hat aber auch der Mensch die Landschaften geprägt und mitgestaltet. Und das nicht erst seit heute: Die Ausbreitung des typisch nordischen Fichtenwalds geht unter anderem auf die Weidewirtschaft in der Jungsteinzeit zurück.
Diese Verknüpfung von Geologie, Ökologie und Kulturgeschichte macht den besonderen Reiz des Buches Ostsee aus. Es ist deshalb nicht nur für den Urlauber von Interesse, der wissen will, wie Schärengärten oder Nehrungen entstehen: Hansjörg Küsters Geschichte der Landschaft zwischen Skandinavien und dem Baltikum ist vor allem ein Stück gut lesbar präsentierter Wissenschaft. --Bernhard Wörrle
Pressestimmen
"Faszinierend in diesem durchgehend spannenden Buch ist besonders die Darstellung der Ostsee als einzigartiges Forschungslaboratorium. Aus den Ablagerungen in ihren verschiedenen Regionen, aus Mooren und Seen des umliegenden Landes, aus Pollendiagrammen und Jahresringen von frühzeitlichen Eichen sowie nach der Kohlenstoff-14-Methode lassen sich im Vergleich mit frühen Schriftquellen aus dem Nahen Osten ziemlich genaue Zeitreihen aus den letzten 12000 Jahren herstellen. Eine Landschaft erzählt ihre Geschichte und erinnert daran, dass sie dem Menschen viel von seiner eigenen Geschichte vorgeschrieben hat und weiter vorschreibt. Das ist fesselnd dargestellt, ein intellektuelles Vergnügen und wegen präziser Illustrationen und schönem Druck auf bestem Papier überdies eine Augenweide." --
Christian Schütze, Süddeutsche Zeitung, 4. Oktober 2002