"Ostfriesenangst" ist mein erstes Buch von Klaus-Peter Wolf. Der Kriminalroman gehört aber zu einer Reihe und ist der sechste Band. Die Reihenfolge:
Ostfriesenkiller
Ostfriesenblut
Ostfriesengrab
Ostfriesensünde
Ostfriesenfalle
Ostfriesenangst.
Auch ohne Vorwissen habe ich mich prima in die Geschichte eingefunden. Man kann den Ostfriesen-Krimi also gut auch separat lesen.
Ich möchte direkt ein Lob wegen des Klappentextes aussprechen: Hier wird mal nicht zu viel verraten, sondern wirklich nur so viel, dass man neugierig wird. Man erfährt, dass eine Schulklasse aus Bochum eine Wattwanderung unternimmt, aber ohne ihren Lehrer zurückkehrt. Was ist passiert? Haben die Schüler den Lehrer auf dem Gewissen? Oder war es ein Unfall, gar eine Überschätzung des Lehrers selbst?
Die Polizei findet letztlich einen Toten im Watt, doch der Mann ist nicht ertrunken, sondern wurde erschossen. Wie hängt das alles zusammen? Die Auricher Polizei, mit Ann Kathrin Klaasen in der Hauptrolle, ermittelt.
Ann Kathrin ist mir nicht durchgängig sympathisch, aber das muss auch nicht zwingend sein. Nur deshalb würde ich bei der Bewertung keinen Stern abziehen. Sie ist sehr ehrgeizig und schießt schon einmal über's Ziel hinaus, vergisst dabei ihr Privatleben, die Menschen, die sie liebt. Ich kann mich mit ihr zwar nicht identifizieren, aber der Autor hat die Figuren schon so entwickelt, dass man ihr Handeln verstehen kann. Die anderen Personen gefallen mir ebenfalls gut, auch wenn Ubbo Heide viel zu oft viel zu viel Marzipan kauft / isst und Rupert mich mit seiner Art tierisch nerven würde. Mir ist das aber lieber, als wenn man mir aalglatte und perfekte Ermittler vorsetzt.
Das Buch ist mitreißend geschrieben und gefällt mir auch vom Stil her, allerdings bin ich auf einige Dinge gestoßen, an denen ich mehrfach hängengeblieben bin. So z.B. "besoffen reden", "hoppnehmen", "irre" / "kirre". Ich hatte das Gefühl, dass diese Wörter hier und da wiederholt wurden. Die ersten beiden sind mir aber auch so noch nicht oft über den Weg gelaufen, vielleicht ist das der Grund, dass ich sie nicht einfach "überlesen" konnte.
Auch bin ich über das falsche "wider besseren Wissens" gestolpert und einmal wurde aus einer Person des Kriminalromans Gerd statt Gert. Sowas kann passieren, daran will ich gar nichts weiter aussetzen.
Letztlich geht es in der Story auch um Überwachungsarbeit - ein interessantes Thema. Ich kann hier einiges absolut nachvollziehen - alles selbstverständlich nicht! Das Ende ist spannend, aber bezüglich der Glaubwürdigkeit bin ich mir nicht 100 %-ig sicher. Das kann jeder anders sehen. Ich habe da ein paar Zweifel.
Alles in allem hat mich das Buch bestens unterhalten, es ist packend und trotz 467 Seiten (die restlichen wecken u.a. schon einmal das Interesse an dem siebten Fall, der im März 2013 unter dem Titel "Ostfriesenmoor" erscheinen soll) schnell durchgelesen.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.