Hans-Joachim Rotzsch, geboren 1929, folgte im Jahr 1972 Erhard Mauersberger auf dem Posten des Thomaskantors nach. Sein Interpretationsstil ist gewissermaßen eine Fortsetzung seiner Vorgänger seit Günther Ramin. Rotzsch kann im Gegensatz zu Karl Richter, auch von Ramins beeinflußt, gehört werden. Während Richter wesentlich pompöser und konzentrierter ist, bleibt der Stil von Rotzsch etwas schlanker und unmittelbarer, vielleicht auch persönlicher und weniger auf technische Perfektion bedacht. Beide sind in ihrer Art hervorragend und es lohnt sich, sie zu vergleichen. Außerdem sind in der Sammlung von Rotzsch etliche Kantaten enthalten, die Richter nicht aufgenommen hat.
Bei der vorliegenden Sammlung sind drei Aufnahmen von Rotzsch von Osterkantaten. Es gibt eine vierte, BWV 66, die aber hier nicht enthalten ist, doch in einer neuen Sammulung der Osterkanteten von Rotzsch von Berlin Classics herausgegeben wurde. Die Kantaten sind für den 1., 2., und 3. Ostertag komponiert, wobei BWV 31 134 zu einem Zyklus von drei Kantaten gehören (BWV 66 fehlt in dieser CD), die Bach nicht in seiner Leipziger Zeit komponiert hat, dort aber mindestens drei Mal aufgeführt hat. Somit gehören sie zur relative kleinen Gruppe von Kantaten, die er in Weimar (und noch kleinere Gruppe) und in Köthen komponiert hat. BWV 4, Christi lag in Todesbanden, wahrscheinlich die bekannteste der vier Kantaten, stammt aus den Kantaten, die er 1724/25 komponierte.
In dieser CD sind nur Kantaten für die Osterzeit, die von Rotzsch aufgenommen wurden. Deshalb fehlen manche sehr berühmte, wie beispielsweise Bleib bei uns oder das Osteroratorium.