Osteopathische Behandlungen haben in den letzten Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen und gelten auch in Reiterkreisen oft als Allheilmittel. Viele sog. Osteopathen haben keine fundierte Ausbildung oder wenig Erfahrung, aber dennoch gepfefferte Preise. Ihre Behandlungen nützen dem Pferd oft wenig- wenn sie nicht sogar schaden. Dem gegenüber steht die Erwartung der Reiter, das Pferd in einer Sitzung heil zu machen, damit sie danach genauso weiter machen können, wie vorher.
Daher finde ich es gut, wenn eine super ausgebildete, engagierte, symphatische und erfahrene Osteopathin und Tierärztin ein Buch schreibt, in dem sie nicht nur die Pferdeanatomie allgemeinverständlich erklärt, sondern auch die osteopathische Arbeitsweise so darlegt, dass man in Zukunft vielleicht Scharlatane von Fachleuten besser unterscheiden lernt.
Im ersten, Teil dieses - wie bei Cadmos üblich - wunderschön gestalteten Buches wird Grundsätzliches zur Anatomie und Biomechanik, aber auch zu Blockaden und der Arbeitsweise von Osteopathen erklärt. Schon hier gibt es durch die praxisnahen Ausführungen so manches Aha- Erlebnis. Sehr gut gefallen haben mir unter anderem die kritischen Bemerkungen zur unfassbaren Praxis mancher "Osteopathen", Pferde nach ihrer "Behandlung" über Stunden ausgebunden in die Box zu stellen ( S. 37).
Der erste Teil ist etwa 30 Seiten dick, dann geht es zum speziellen Teil, der knapp hundert Seiten umfasst. Hier werden die einzelnen Körperregionen differenziert dargestellt: Kopf und Genick, Hals, Schultergürtel und Vorderbein, Brustwirbelsäule, Kreuzbein und Becken, Hinterhand. Jeweils werden die besondere Anatomie und Biomechanik auf etwa drei Seiten erläutert, dann auf die typischen Blockaden und ihre Auswirkungen eingegangen, verschiedene Tests und Übungen beschrieben und gelegentlich noch ein mehrseitiger Exkurs eingeflochten ( zum Beispiel zum siebten Halswirbel oder zur Passform des Sattels). Gut gemachte Grafiken und Fotos unterstützen das Verständnis.
Mir haben die Ausführungen zum Zungenbein und Kiefergelenk konkret weitergeholfen, da mein Pferd einen starken Überbiß und schon von daher Probleme in diesem Bereich hat, auch durch die teilweise lang andauernden Zahnbehandlungen. So kann ich nun selbst überprüfen, inwieweit hier alles okay ist und die Zungenbeinblockade sogar selbst lösen, da sie eine der wenigen Blockaden ist, die der Laie zu beheben versuchen darf ( S. 45).
Das Ziel von Sabine Sachs, dazu beizutragen harmonisches Reiten und mehr pferde- anatomisches Wissen bei Reitern zu ermöglichen, hat sie mit ihrem schönen und fundierten, leserfreundlich gestalteten und geschriebenen Buch sicher erreicht! Großes Lob!