OSTBAHN LIVE/
HOHE WARTE
oder: Was ich in den Sommerferien erlebt habe
von Trash (Dr.)
Casino-Stadion Hohe Warte, Sonntag, 6. Juli 2003: Kurt Ostbahn betritt die Bühne, die Kombo stimmt „Tankstö“ an, und schon vor den ersten Textzeilen beginnen die 10.000 versammelten Fans auf dem Rasen zu toben. Sie wissen zwar, daß sie heute mit einem Höhepunkt des Ostbahn-Jahrs rechnen dürfen, aber sie haben noch keine Ahnung, was sie erwartet – außer sie waren eventuell gestern schon da.
Daß der Sportplatz auf der Hohen Warte als Nachfolger des legendären Simmeringer Ostbahn-11-Platzes herhalten muß, hat verwaltungstechnische Gründe. (Die dortigen Herren Funktionäre hatten halt Angst um ihren Rasen…) Aber dem Kurtl ist das wurscht. Er hat seine eigene Ostbahn-Elf mitgebracht, und die wird heute, wie der amerikanische Favorit’n’Blues-Epigone so gern sagt, „das Haus rocken“. Immerhin zählen die Gigs am heutigen und morgigen Abend zu den wichtigsten Abschiedskonzerten vor der nahen Pensionierung; da kann man sich und dem Publikum schon ein paar große Träume verwirklichen. Zum Beispiel den vom „besten Ostbahn-Konzert aller Zeiten“.
Nicht nur die Kollegen und Gäste auf der Bühne sind an diesem Abend hörbar auf dem Gipfel ihres Könnens, sondern auch der Kurtl ist bestens gelaunt und stimmlich besser drauf denn je. Mit der Kombo legt er einen musikalisch hochwertigen Auftritt voller Highlights aus den letzten zehn Jahren hin, der für sich allein schon „a Wohnsinn“ wäre (um den eloquenten Sir Charles, Karl Ritter von Stockerau, zu zitieren).
Doch das ist erst der Anfang. Nach einer kurzen Pause gehört das Stadion exklusiv der Chefpartie, die in voller Stärke angetreten ist und rasant aufspielt, als wäre sie nie weggewesen. Die anwesenden Chefheads und -headinnen im Publikum sind begeistert, dürfen endlich wieder ihren Schlachtruf „Kuuuurteee!!“ loslassen und feiern mit Bier aus dem Plastikbecher.
Als der Klassikerteil vorbei ist, glaubt so mancher schon, daß jetzt unmöglich noch was Besseres nachkommen kann. Weit gefehlt! Jetzt ist nämlich die Ostbahn XI – Kurtls persönliches Lieblingsprojekt – an der Reihe: die Musiker der Kombo, verstärkt von den East-Train Horns an den Blechblasinstrumenten und den Kurtlettes, die für den Chorgesang zuständig sind. Und am Schluß stößt sogar noch die Chefpartie dazu… Perfekter Ostbahn-Sound, wie man ihn noch nie gehört hat, in Cinemascope, Technicolor und Sensurround, inklusive einem Herrn Kurt, der sich (auch eine Premiere) im professionellen Stagediven übt. Ein paar der Chefheads sind schon ein bissl müde, aber dem Rest der Anwesenden gefällt’s.
Nach mehr als vier Stunden Konzert ist dann alles vorbei. Hinter der Bühne fließt der Ostbahn-Wein in Strömen – weil: Man gönnt sich ja sonst nix. Und daß der gute Tropfen ein Cuvée (definitionsgemäß „der anspruchsvolle Verschnitt verschiedener Traubensorten“, ich hab’ nachgeschaut) ist, paßt auch. Einen besseren und anspruchsvolleren „Verschnitt“ des Ostbahnschen Schaffens werden wir wohl nie wieder erleben…
Danke für Ihre Aufmerksamkeit,
Dr. Trash
PS: Ajo – die Frage „Warum gleich drei Ostbahn-Live-Alben?“ läßt sich leicht beantworten:
Erstens, weil das Konzert so lang gedauert hat, daß es weder auf eine noch auf zwei CDs gepaßt hätte.
Zweitens, weil man die Kombo live noch nie so gut gehört hat, die Chefpartie schon ewig nicht mehr hören durfte und sowas wie die Ostbahn XI wahrscheinlich überhaupt nie mehr hören wird.
Und drittens, weil Weihnachten kommt. Das war einfach, gell?
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