Kurzbeschreibung
Für sein mittlerweile 27. Album Ossicles quartierte sich Karl Seglem mit seiner Band in das idyllisch gelegene Herrenhaus-Hotel in Salderatzen ein und nahm vier der neuen Titel im holzgetäfelten Tanzsaal vor einem kleinen Publikum auf. Im Vergleich zu dem Vorgänger NORSKjazz.no , bewegt sich das u.a. von den Rhythmen des ehemaligen Madrugada-Drummers Erland Dahlen angetriebene Ossicles ganz klar wieder in Richtung seiner Wurzeln. Das Ergebnis verbindet afrikanische Einflüsse, Reggae-Rhythmen und pakistanische Metren zu einem stimmigen Stil voller verborgener Botschaften, die keiner wortreichen Erklärungen bedürfen, sondern ganz auf Intuition und Gefühl setzen.
Der Norweger Karl Seglem setzt ganz auf die Macht der Assoziation, und er tut dies noch ein ganzes Stück konsequenter und plakativer als sein Landsmann Jan Garbarek. Wo der nämlich aus interkulturellen Dialogen seinen kammermusikalischen Stil entwickelt, trägt Seglem die Musik zurück zu ihren unverstellten Folkwurzeln, anstatt sie zur eigenen Marke zu machen. Die strenge nordische Skalenstruktur - zusätzlich eingegrenzt durch die simple Tonalität der neben dem Tenorsax eingesetzten Tierhörner - verbindet sich auf "Ossicles" mit einer zumeist traditionell eingesetzten Fiedel und variantenreicher Perkussion. Olav Torget schließlich, der in seinen eigenen Soloprojekten selbst gern vom Nektar anderer Kulturen saugt, weiß, wie sich in diese Klanglandschaft eine E-Gitarre einzufügen hat. Es dürfte kaum jemanden geben, der beim Hören von Seglems aktuellem Werk nicht spontan Bilder von kalbenden Eisbergen und saufenden Trollen vor Augen hat. (ron)