Ein Engländer und seine Freundin ziehen in eine brandenburgische Kleinstadt. Die Freundin hat dort ein baufälliges Schloss geerbt und nun wollen die beiden es wieder herrichten. Aus Geldnot wandeln sie das Haus kurzerhand in eine Bed&Breakfast-Pension um mit der Idee, Engländer könnten hier die Ossi-Kultur kennenlernen und zahlten indirekt für die Instandsetzung des Schlosses.
Die englische Botschaft spendiert ebenfalls Geld für die Renovierung, aber nur unter der Bedingung, dass auch den Ossis die englische Kultur näher gebracht wird. Neben der Renovierung wird also zusätzlich ein Kricket-Spiel organisiert, zu dem kein Ossi wirklich Lust hat. Es bahnt sich im Laufe der Geschichte noch eine Beziehungskrise zwischen den Schlosseigentümern an und die Renovierungsarbeiten werden sabotiert - Am Ende gibt es keine unerwarteten Wendungen und alles kommt so, wie man erwartet hat.
>Ossi forever!< von Roger Boyes ist ein flacher Roman, der enttäuscht. Ein erwartungsschürender Titel regt zum Kauf an, der Text zwischen den Buchdeckeln kann diese Erwartungen aber nicht erfüllen. Was ich mir vorgestellt habe, war ein Ossi in der Hauptrolle oder ein Zugezogener, der sich einlebt und am Ende freudig >Ossi forever!< ruft. Leider trifft beides nicht zu. Man könnte das Werk unter >seichter Wochenendlektüre< einordnen, aber ich empfehle, die Freizeit lieber mit einem anderen Buch zu verbringen.
Was an dem Roman stört, ist das Nichtvorhandensein. Das Nichtvorhandensein von Spannung, herzlichen Ossis und unerwarteten Ereignissen.
Boyes charakterisiert keine sympathischen Ossis, die wir in unser Herz schließen können. Stattdessen bleiben die Ossi-Charaktere verschwommen und in weiter Ferne. Sie besitzen alle DDR-Trainingsanzüge und haben keinen Elan fürs Kricket-Spielen. An einigen Stellen schreibt er fast schon ossifeindlich. Ansonsten... existieren die Ossis halt.
Dem Roman fehlt es überall an der entscheidenden Würze! >Jetzt wird es interessant!<, denkt der Leser nur, als der Koch endlich im Schloss eintrifft. Der SCHWARZE Koch! Im Osten! >Oho, jetzt geht es aber los!<
... Pustekuchen! Nicht einmal er kann der Geschichte die fehlende Zutat beisteuern. Er werkelt in seiner Küche, macht seine Arbeit gut und alle sind zufrieden. Konflikte? Fehlanzeige.
Das Buch ist im Großen und Ganzen nicht empfehlenswert. Die Ich-Perspektive ermutigt den Erzähler zu langen, uninteressanten Ausschweifungen, bei denen die Handlung auf der Strecke bleibt. Was man dem Werk zu Gute rechnen sollte, ist der Schreibstil. Den lockeren, plaudernden Sätzen kann man gut folgen; sie lesen sich leicht und schnell - Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen und kann nicht behauptet, dass es eine Quälerei war. Dennoch sieht Lesevergnügen für mich anders aus.