Aus der Amazon.at-Redaktion
Was sich als Bildband präsentiert, ist beim Hineinlesen eine Analyse der kultischen Verehrung, die Werner zu Lebzeiten zuteil wurde. Mehr dem Traum als der Wirklichkeit verhaftet, vermochte der faszinierende Schauspieler sein geniales Talent in dieser Welt nicht voll einzulösen.
In 18 Essays wird versucht, der Zwiespältigkeit Oskar Werners nachzuspüren. Erinnerungen von Theater-Kolleginnen und -Kollegen zeichnen das Bild eines Menschen, der ebenso zart wie verletzend sein konnte. Neben der schlichten Hommage an einen Freund oder Feind wird die Frage nach der Leistung des Theaters und seiner Akteure schlechthin behandelt. Es geht um das kulturelle Gedächtnis im Allgemeinen, um die Rolle der Medien und um den Wiener Theaterkult.
Klassisch schöne Schwarz-Weiß-Fotos aus Oskar Werners Bühnenkarriere begleiten die Gedanken von Achim Benning, André Heller, Erika Pluhar -- um nur einige von ihnen zu nennen. Das tragische Ende des alkoholkranken Schauspielers steht dicht neben der Erinnerung an den ewigen Jüngling, als den Oskar Werner sich Zeit seines Lebens selbst sah. Es ist die Kluft zwischen traumwandlerischer Meisterschaft und menschlichem Scheitern, in der der Schauspieler der Dichter Worte zum Klingen brachte. Oskar Werner spricht Rainer Maria Rilke lässt sich hier als glückliches Beispiel medialer Verewigung anführen. --Beatrice Simonsen
Die Welt, S. 28, 13. 11. 2002
... präsentiert hinreißende Bilder und dokumentiert, auch in bewegenden Zeugnissen berühmter Kollegen, den Lebens- und Leidensweg dieses zerbrechlichen, letztlich an seinem idealistischen Bild von der Welt zerbrochenen Schwierigen.
Kurzbeschreibung
Oskar Werner: Ob Bühne oder Film - seine Darstellungskunst war von ebenso seltener Intensität wie das Timbre seiner Stimme. Wie er auf der Bühne Shakespeares Hamlet oder Anouilhs Becket verkörperte, ist ebenso legendär wie seine Filme,darunter »Jules et Jim« und »Das Narrenschiff«. Aber es gab auch die andere Seite: Die monomanischen, exzentrischen, selbstzerstörerisch von Alkoholismus geprägten Auftritte seiner späten Jahre machten ihn zu einem schwierigen und unzuverlässigen Künstler, der sich immer öfter in die völlige Isolation zurückzog.
Am 13. 11. 2002 wäre er 80 Jahre alt geworden - ein würdiger Anlaß, dem Wirken und Leben des charismatischen Schauspielers, dem glücklosen Regisseur und der verzweifelten Existenz seiner letzten Jahre eine umfassende Monographie zu widmen - inklusive zahlreicher Photographien sowie Beiträgen von Kollegen und Bewunderern.
Mit Beiträgen von Christian Berger, Julia Danielczyk, Ulrike Dembski, Edda Fuhrich, Annegret Gaidies, Hilde Haider-Pregler, Christian Maryska, Christiane Mühlegger-Henhapel, Michael Nolte und Erinnerungen von Paul Angerer, Achim Benning, René Clemencic, Annemarie Düringer, André Heller, Elfriede Ott, Erika Pluhar, Heinrich Schweiger, Antje Weisgerber und anderen.
Über den Autor
Christiane Mühlegger-Henhapel Dr., geboren 1971, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Romanistik an der Universität Innsbruck. Zahlreiche Publiktionen. Seit 1999 Mitarbeiterin am Österrreichischen Theatermuseum.